Mit ‘US Serien’ getaggte Artikel

Die Filmpiraten ruinieren Hollywood

Donnerstag, 26. Januar 2012

Aus gegebenem aktuellem Anlass (#SOPA und #PIPA) lohnt sich ein Blick auf die Traumfabrik und deren Geschäftsmodell.
Weltweit Einfluss und Macht gewonnen durch die grosse Leinwand, hat der Tanker Hollywood in der Regel Trends kreiert. In dieser Rolle fühlt und fühlte man sich sehr wohl und dem ist offensichtlich auch dieses ganze chaotische bis exzessive Wichtigtuerische geschuldet. Man nimmt sich selbst als unersetzlich wahr, oder verkauft es zumindest als das. In all dem Gigantismus wuchsen die Produktionskosten der Filme bis nach Absurdistan, vor allem in der Breite. Inflationsbereinigt (Ticketpreise) gilt noch heute Kleopatra mit Liz Taylor mit $408.000.000
als teuerster Film aller Zeiten, doch die Schwelle von $100Mio oder gar 200 wird heute öfters durchbrochen. Für alle Statistik Fans sei erwähnt, dass Terminator2 als erster die drei Stellen durchbrach und Titanic wenig später die 200er Marke knackte.
Haupttreiber der Kosten sind die Gehälter der Schauspieler mit wenigen Ausnahmen aufgrund der Technik (wie z.B. Star Wars, Avatar oder Harry Potter). Nicht selten lassen sich die Damen und Herren nicht nur mit einer Gage sondern auch mit Alimenten (Umsatzbeteiligung) bezahlen. Bevor also ein Verleiher Geld sieht, werden dann erst die Stars ausbezahlt. Halten wir also fest, dass die Kosten stark gestiegen sind.

Währenddessen fristete das TV Geschäft ein Schattendasein. Erst Mitte der 90er erwachte dieser Teil aus dem Dornröschenschlaf mit Serien wie Seinfeld und Ally McBeal. Echte Strassenfeger. Gerade letztere entwuchs dem schäbigen Studiolook, der noch heute in vielen deutschen Nachmittagsserien zu finden ist. Als HBO dann die Sopranos, Entourage oder Desperate Housewifes aus der Taufe hob, holte TV enorm auf. Vor 1995 war es für einen Kinodarsteller ein Abstieg im TV aufzutreten. Heute hüpfen einige hin und her, ohne Schaden zu nehmen. Spätestens seit Serien wie Lost ist das Niveau an Set und Komplexität auf ebenbürtigem Niveau. Damit stiegen aber auch wieder die Gagen. Es wird kolportiert, dass Charlie Sheen mehr als $ 1Mio pro Folge erhalten hat, bevor er sich aus der Serie soff.

Das eigentliche Problem von Hollywood ist aber die Verwertungskette. Früher führte nichts an der Leinwand vorbei. Im Anschluss kam die Videothek mit VHS Kassetten (für meine jungen Leser: das waren buchgrosse schwarze Plastikblöcke, in denen ein braunes hauchdünnes Band die Filminformationen enthielt) und dann die Ausstrahlung im Fernsehen. Die Bezahlsender schoben sich irgendwann zwischen Videothek und „öffentliches“ TV und stellten für die Filmproduzenten kein Problem dar. Das entstand durch die DVD im Jahr 1997. Denn erstmals lagen die Daten digital vor und konnten verlustfrei kopiert werden. Seit 15 Jahren also kennt Hollywood das Problem, auch wenn sie vielleicht in den ersten Jahren nicht unbedingt überrissen hatten, was auf sie zukommt.
Doch konnten Sie vorher Ihre schlechten Produktionen und vor allem Ihre schlechten Produktionsprozesse durch eine kontrollierte Verwertungskette ausgleichen, zerschlug die neue Technik diesen Knoten und viele Szenarien brachen sich gleichzeitig Bahn. Die Gagen wuchsen und damit die Produktionskosten und Ticketpreise, die schlechte Organisation kostete weiterhin viel Geld und die Konsumenten hatten plötzlich einen Hebel – den verlustfreien Genuss von Filmen. In der Verwertungskette erhielt die DVD ihr eigenes Fenster -was dem der Videokassette entsprach und alle werkelten weiter. Am Horizont tauchte dann die Blue Ray auf und Hollywood glaubte hier an den nächsten Goldesel. Pseudo Qualitätszuwachs zu einem noch höheren Preis liesse sich doch sicher gut verkaufen.

Der Konsument aber hebelte fröhlich weiter, bestärkt durch einen Visionär namens Steve Jobs. Der sagte der neuen Technik den Tod bereits vor der Geburt voraus. Denn Streaming ist der nächste grosse Hit. Der physische Besitz einer glänzenden Scheibe ist zu vernachlässigen, zumal Filme in der Regel nur einmal geschaut werden. Die Logistik bei einem Stream ist auch geringer, da die Daten ja sowieso entsprechend vorliegen. Doch Hollywood ignorierte Steve und liess ihn mit seinem iTunes werkeln. Interessant sei hier anzumerken, dass vermutlich 75% der Pseudo McWichtig aus Hollywood mit den weißen Ohrstöpseln auf Ihren Steppern irgendwo in einer kalifornischen Fitnesshalle gegen Ihre Orangenhaut ankämpften und dabei Musik aus „diesem iTunes“ hörten.
Stattdessen ersann man die Strategie, den Piraten die Schuld an allem in die Schuhe zu schieben und Sie als Verbrecher zu brandmarken – was rechtlich ja auch stimmt. Doch eigentlich stellten sie damit jeden Konsument der Ware „Hollywood“ unter Generalverdacht. Denn Hand auf s Herz, wir haben früher alle Kopien von Kopien mit unseren Kassettenrekordern gemacht, weil uns das Lied X fehlte. Niemand hat uns da in eine Zelle sperren wollen. Nur als das plötzlich digital in 1a Qualität ging, sollte es plötzlich so schlimm wie Totschlag sein? Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass der Konsument die Ware mag, vielleicht sogar liebt und bewusst etwas unrechtes tut, um sie zu geniessen.

Stop! Hier ist der eigentliche Ansatz von Hollywood. Wieso muss Apple – ein Computerhersteller (damals) – einen neuen Vertriebsweg ersinnen, wo doch die ach so von der Piraterie geplagten Kreativen nicht kreativ genug sind, sich so was auszudenken? Bis heute fehlt Hollywood eine Plattform, die dem neuen Medienverhalten der Menschen gerecht wird. Dabei bedient die Traumfabrik wie keine andere die junge Zielgruppe mit passenden Inhalten, aber möchte denen die alten Vertriebswege aufzwängen. Das wäre in etwa so, als würde ich meiner Cousine einen VHS Rekorder zu Weihnachten schenken. Für das TV hat man mit hulu.com einen ersten Schritt unternommen, der auch gut ankommt. Einfach und simpel sollte es sein. Dann ist der Endverbraucher auch gewillt etwas zu bezahlen. Das unerlaubte Vervielfältigen werden Sie aber nie abstellen, konnten sie früher auch nicht. Freunde tauschen untereinander CDs, DVDs oder Dateien – das war so und bleibt so.

Zu guter letzt vielleicht noch zwei Ratschläge an Hollywood: Leute gehen auch gerne ins Kino, wenn nicht aus allem Geld gemacht wird und die Ticketpreise ständig steigen – 3D ist toll, aber nicht nur wegen Mehrumsatz an der Kinokasse. Und Nummer 2 ist der Anspruch an Geschichten. Man hat den Eindruck, es gebe nur noch Fortsetzungen oder Neuverfilmungen. Verzaubert uns, laßt uns staunen, schockiert uns – aber bitte seid dabei kreativ.
Mir sei erlaubt, eine aktuelle Kinoempfehlung abzugeben: Drive. Grosses Kino mit einem grossen Ryan Gossling – unbedingt im Original ansehen!

Interessanter Beitrag: siehe hier

Kunst und Kommerz schließen sich nicht einander aus

Mittwoch, 06. April 2011

Der wochenlange Streit um die Fortsetzung der erfolgreichen TV Serie Mad Men zog einige Branchenvertreter in ihren Bann. Hierbei ging es immer wieder um das Thema Product Placement und die Finanzierungslücke, die es laut dem Sender AMC für die neuen Staffeln gäbe.
Natürlich ging es letztlich nur um die Steigerung des Profits. Sender und Produzent schoben sich den schwarzen Peter zu, wieviel Product Placement nun gut für die Serie wäre. Interessant dabei ist, dass Mad Men schon seit der ersten Staffel regelmäßig Produkte und Marken prominent gezeigt hat. Das Mysterium dabei ist jedoch die Information, welche der Marken kostenfrei oder gegen horrende Gebühren ins rechte Licht gerückt wurden. Am Ende einigten sich alle; dies umfaßt auch die Information zu den Placementgebühren.

Doch für alle Kritiker – vor allem hier in Deutschland – hinsichtlich von Marken/ Werbung im Programm und die damit vermeintlich einhergehende Qualitätsminderung sei nebenbei angemerkt, dass Mad Men 4 Golden Globes und 13 Emmy abgeräumt hat. Anspruchsvolle Filme wie 127 Stunden oder The Fighter sind auch mit Produktplatzierungen versehen, und Kritikern wird es schwer fallen, diese cineastischen Höhepunkte als Werbetrash abzutun.
Am Ende ist und bleibt das Drehbuch die Basis für einen guten oder schlechten Film und nicht, ob die Werbeindustrie mit ihren Geldern bei Product Placement dem Budget ein wenig unter die Arme greift.

Humor: Schade, das „what“ kein product placement ist

Donnerstag, 04. November 2010

Die vielfach ausgezeichnete US Serie „mad men“ begeistert weltweit nicht nur die Werber, die den guten alten Tagen nachhängen. Der Humor der Serie ist vielschichtig und manchmal auch nicht ganz eindeutig für den Hauptdarsteller. Wie man hier bestaunen kann…

Product Placement ist eine kreative Fleißarbeit und keine Ware im 30Sek Takt

Samstag, 24. April 2010

Der Artikel im Handelsblatt mit dem Titel „Reklame mit fadem Beigeschmack“ spricht zwischen den Zeilen die Kernpunkte des Produktintegrationsprozesses an. Nur der Grundtenor ist leider negativ.

Die Zurückhaltung der Unternehmen ist verständlich, nachdem jahrelang konditioniert wurde, daß Product Placement mindestens so schlimm wie Steuerhinterziehung wenn nicht sogar noch viel niederträchtiger sei. Genauso viele Jahre lang wurde aber stillschweigend toleriert, daß dies nur auf deutsche Produktionen zutrifft. Ausländische Produktionen – hier vor allem die alles dominierenden Formatlieferungen aus USA – wurden und werden nicht gegeißelt für integrierte Marken und Produkte. Auch wenn hier regelmäßig zu den Premieren in Kino und TV internationale Unternehmen eine abgestimmte Werbekampagne starten.

Historisch bedingt wurde Product Placement untersagt. Allen anderen Aussagen zum Trotz ging es hier keineswegs um den Schutz des armen Verbrauchers vor den böse werbetreibenden Firmen. Der Hintergrund ist die GEZ und die Tatsache, daß man öffentlich-rechtlichen Sendern nicht erlauben will und wollte, daß diese noch zusätzliche Gelder über Produktintegrationen einnehmen. Daraus entstand dann die sogenannte Beistellung, also unentgeltliche Bereitstellung eines Produktes. Bei dieser Variante der Platzierung hat die Produktion eigentlich nur bei Autoherstellern einen echten Vorteil, vor allem wenn Fahrzeuge in Verfolgungsjagden Schaden nehmen (könnten). Die Fahrzeuge werden ja kostenlos bereitgestellt und entlasten so das Budget. Dies gilt auch für den Dampfer vom Traumschiff.

Seit dem 01. April ist nun alles anders, zumindest für die Privaten. Das Problem ist nur, das die Firmen wie beschrieben unsicher sind und gleichzeitig die Vermarkter noch kein Abrechnungsmodell entwickeln konnten. Hier tut sich die deutsche TV Landschaft leider ein wenig schwer, obwohl es doch eigentlich bereits vorgelebt wird. Placement ist keine Katalogware, die in Sekunden gemessen wird. Schließlich geht es hier um Kreativität und intelligente Integration. Das schließt aus, daß der Name eines Schokoriegels mehrfach bis zur Schmerzgrenze genannt wird und ich verweigere mich das Product Placement zu nennen. Die Kunst ist das Verweben der Marke/ des Produktes mit dem Filminhalt, dem Helden, einer Szene oder ähnlichem, so daß das Produkt nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig darf es aber nicht störend sein, denn der Zuschauer ist sehr wohl in der Lage zu unterscheiden, ob er platt mit Werbung zu geballert wird oder das Produkt passend eingefügt wurde. Bei letzterem ist ihm das Wurst. Hier dient z.B. Carrie von Sex and the City als gutes Beispiel. Carrie schreibt ihre Berichte in den Folgen auf einem Apple Laptop. Dieses Verhalten wird gelernt und geht ohne die penetrante Markennennung oder Logoschau über die Bühne.

Das ein Format nur eine bedingte Menge an Integrationen verträgt, sehe ich genau wie Herr Dopheide. Zumal das Bekleben von Tassen und Gegenständen mit Logos wieder nichts mit Placement zu tun hat. Das erinnert mich eher an die Champions League mit Ihren Bannern, Banden und Logo Tsunami. Das Thema Product Placement bedarf einer Fleißarbeit, nämlich dem Abgleich eines Markenkerns mit dem roten Faden eines Drehbuchs. Ohne eine Schnittmenge kein Placement. Und mit einer Schnittmenge muß auch hier gefeilt werden, so daß es paßt. Diese Mehrarbeit scheuen vor allem die Vermarkter, weil Sie in Werbewährungen denken und das ist Ihnen nicht einmal zu verübeln. Allerdings werden keine Millarden EUR mit Placement verdient. Doch werden sich einige Werbetreibende das Thema Placement als zusätzliche Stellschraube für Ihre Spot Platzierung zu Nutze machen. Ein gutes Placement ist die Königsdisziplin der „Bewegtbildwerbung“ und abgerundet durch eine entsprechende Kampagne ist es Brand Entertainment.

Das ist weder platt noch von der Stange. Deswegen ist es aber auch so effektiv !

Sat1 beschließt mehr deutsche Fiktion zu entwickeln

Dienstag, 13. April 2010

Der Senderchef Andreas Bartl möchte Sat1 im Bereich der Fiktion wieder zu alter Stärke auflaufen lassen. In den letzten Jahren wurde dieser Bereich sträflich vernachlässigt.

Mit den neuen Serien „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ am Montag abend legte der Sender bereits einen guten Start hin. In diesem Jahr soll noch mit eigenproduzierten Spielfilmen nachgelegt werden. Die Serie „Der letzte Bulle“ von Granada beweist eindrücklich, daß gute Stoffe auch aus Deutschland kommen. Eine witzige frische Geschichte mit knackigen Dialogen und der Grundeinstellung, daß Unterhaltung nicht seicht sondern leicht serviert wird, macht unheimlich viel Spaß. Bitte mehr davon.

Der Trend zu immer mehr Doku Soaps und „…suchen den…star“ Formate ist auf die Dauer ziemlich einseitig, unkreativ und letztlich langweilig. Ja, ich bin ein Fan von Fiktion und die zahlreichen hochwertig produzierten US Serien im deutschen Fernsehen geben mir recht. Die Zuschauer fiebern mit bei Lost, Desperate Housewives, Sex and the City, CSI etc, weil die Geschichten anspruchsvoll aber nicht so schrecklich tiefgründig, lustig aber nicht krachledern komisch und ernst aber nicht weltverbesserlich daher kommen.