Mit ‘mobile payment’ getaggte Artikel

Bitcoin und die Blockchain

Dienstag, 23. Februar 2016

Entstehungsgeschichte

Eine Person oder eine Gruppe mit dem Namen Satoshi Nakamoto erfand 2008 die Technik hinter Bitcoin (mehr dazu hier). Der Kern der Erfindung ist ein Zahlungsmittel und Buchungssystem, daß

  • transparent
  • dezentral
  • sicher
  • nicht inflationär
  • und anonym

ist. Die Kombination aus Bitcoin (Zahlungsmittel) und Blockchain (Buchungssystem oder Kassenbuch) stellt laut Netscape-Gründer und Starinvestor Marc Andreessen die dritte zentrale Tech-Entwicklung dar, die sämtliche Rahmenbedingungen grundlegend verändert hat: 1975 der PC, 1993 das Internet und 2008 der Bitcoin!

In diesem System sind beide miteinander verwoben und weder der Bitcoin noch die Blockchain können eigenständig überleben – oder weniger drastisch gesagt funktionieren.

Blockchain

Die Blockchain ist eine durch Verschlüsselung geschützte, öffentliche geteilte Datenbank (Kassenbuch, Journal, o.ä.) mit Einträgen, die sich unendlich weiter fortschreiben, ohne das alte Einträge geändert oder gelöscht werden können.
Das fantastische an der Software ist, dass ein Netzwerk von Computern gemeinsam dieses eine öffentliche Kassenbuch über das Internet teilt und synchronisiert. Denn dort sind alle Transaktionen gebucht und jeder Teilnehmer am Netzwerk besitzt eine Kopie des Kassenbuchs.
Dank komplizierter mathematischer Prinzipien einigen sich alle beteiligten Computer permanent und völlig autonom auf den korrekten Zwischenstand des Kassenbuchs. Das bedeutet, jede Transaktion ist transparent (also öffentlich zugänglich) und die Rechner einigen sich darauf, dass die jeweilige Transaktion zu einem bestimmten Zeitpunkt stattgefunden hat. So, als wäre bei jeder Transaktion ein Notar anwesend, der die Richtigkeit der Daten verifiziert. Wofür also bisher Institutionen wie Banken notwendig waren, die die Rechtmäßigkeit der Zahlung bestätigten, erledigt dies das dezentrales Netzwerk eigenständig.
Die neuen Transaktionen werden in sogenannten Blocks gebündelt und an den vorherigen Block angehängt. Erneut kommen Verschlüsselungstechniken zum Einsatz, die die Unversehrtheit und Richtigkeit der Daten von Block zu Block sicherstellen und eine anschließende Bearbeitung der Transaktionen verhindert.

Somit ist gewährleistet, dass jeder Zugang zu einer gemeinsamen, einzigen und sicheren Informationsquelle hat. Datenbank Entwickler wissen um die Probleme, dezentrale Daten synchron zu halten. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass im Falle von Bitcoin/ Blockchain Teilnehmer im Netzwerk sind, die man nicht kennt. Dies ist eine weitere technische Revolution.

Derzeit ist das Wort Blockchain in aller Munde. Dabei werden verschiedene Prinzipien miteinander vermischt und das Verständnis zusätzlich erschwert. Man unterscheidet prinzipiell zwei Typen von Blockchains, die in der Art und Weise wie sie zu der Übereinstimmung der Richtigkeit der Daten gelangen deutlich unterschiedlich arbeiten:

Teilnahme ohne Zustimmung

Bitcoin ist open source, also offen und zugänglich für jedermann. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich die Teilnehmer im Netzwerk, sowie auch die teilnehmenden Computer gegenseitig nicht kennen und demnach misstrauen.
Die Integrität einer solchen Blockchain wird über einen rechen-intensiven Prozess “proof of work” sichergestellt. Die dafür notwendige Rechenleistung ist enorm und steigt ständig. Die darauf spezialisierten Computer werden auch “miner” genannt. Die miner halten das Netzwerk am Laufen und erhalten als Belohnung für die Aufrechterhaltung der Integrität (“proof of work”) Bitcoins. Hier zeigt sich mehr als deutlich, dass Bitcoins und Blockchain nicht getrennt werden können.

Kleine Randbemerkung: Beim aktuellen Kurs von ca 420$/ Bitcoin können zu deutschen Stromkosten Bitcoins nicht mehr gewinnbringend geschürft werden, abgesehen davon, dass das Gerät vermutlich im Winter als Heizung für eine 100qm Wohnung dienen kann.

Teilnahme nur mit Zustimmung

Darunter fallen viele Projekte von Banken, wie z.B. R3, deren Blockchains privat sind und sich die Teilnehmer untereinander kennen. In der Regel gibt es auch gegenseitige Verträge und Verpflichtungen. Weil sich die Teilnehmer in diesem Netzwerk kennen, bedarf es nicht dem Prozess “proof of work” und auch keiner Entschädigung für die Anstrengungen, das System am Laufen zu halten.

Bitcoin

Der Bitcoin entsteht also als Ausgleichszahlung für die “miner”. Ein Bitcoin läßt sich in 100 Mio Einheiten teilen und die zu schürfende Menge an Bitcoins ist auf 21 Mio Stück begrenzt. Deswegen gilt der Bitcoin als nicht inflationär und steht unmittelbar im Zusammenhang mit der Finanzkrise und den Exzessen der (Noten-) Banken. Er unterbindet die stetige Steigerung der Geldmenge, wie es bei den FIAT Währungen durch die regulären Banken mittels Kreditvergabe (Geld in Form der Zinsen wird aus dem Nichts erschaffen), sowie der Druckerpresse der Notenbanken (FED, EZB usw.) geschieht. Dabei ist es egal, ob ein Bitcoin einen $ Wert, einen Unternehmensanteil, eine kW Stunde Strom oder eine Geburtsurkunde repräsentiert.

Die bei der Transaktion anfallenden Gebühren betragen nur etwa 1 Prozent! Das ist weit weniger als bei Kreditkartenzahlungen (2-3 %) oder beim grenzüberschreitenden Geldtransfer (bis zu 10%) und eröffnet die Möglichkeit von Micropayments, die insbesondere für die Nutzung von Medienprodukten wie Zeitungsartikel oder Musiktitel in der Diskussion waren. Dabei ist die Zahlung mit Bitcoins anonym, denn die Blockchain kennt nur Kontonummern (auch “wallets” genannt), nicht jedoch die Eigentümer der Wallets.
Die Anonymität ist vielen Politikern ein Dorn im Auge, weil dies kriminelles Handeln begünstigt. Folgt man dieser Argumentation, müsste allen voran der US$ verboten werden, denn mit ihm werden weltweit die meisten Drogen und Waffen gekauft, gefolgt vom Euro.
Ledger Wallet protects your bitcoins

In meinem nächsten Beitrag ich widme ich Anwendungsgebieten für Bitcoin bzw. Blockchain. Anbei noch ein anschauliches Video zur oben beschriebenen Thematik (in englischer Sprache).

Bloß nicht mehr analog – die Digitalisierung

Sonntag, 15. November 2015

Als unvoreingenommener Zeitungsleser erhärtet sich der Eindruck, niemand will mehr analog leben und alles muss digitalisiert werden. Die Antwort auf “wie geht’s dir?” kann nur noch super oder beschissen lauten, denn für Grauzonen ist in der Welt der Nullen und Einsen kein Platz.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis können die wenigsten mit dem sperrigen Titel “Digitale Transformation” oder “Digitalisierung” etwas anfangen. Lerne ich auf einer Party jemanden kennen, wird nach meiner Antwort auf den Beruf sofort das Thema gewechselt. Der Gesichtsausdruck des Gegenüber liegt da regelmäßig zwischen völliger Ahnungslosigkeit und ängstlicher Verunsicherung. Da ist es ein schwacher Trost, dass es Bestattern wohl noch schlimmer ergehen dürfte.

Die ablehnende Haltung der Mehrheit ist Eingeweihten völlig unerklärbar. Da die meisten Menschen jedoch die Angst vor Veränderung eint, ruft Digitalisierung bei vielen Magengrummeln hervor. Vor allem weil es sich hier um etwas handelt, was man im ersten Moment nicht greifen zu können glaubt. Wikipedia definiert Digitalisierung als „den gesamten Vorgang von der Erfassung und Aufbereitung bis hin zur Speicherung von analogen Informationen auf einem digitalen Speichermedium“, was in meinen Augen zu eng gefasst ist.

“Die Digitalisierung erfasst alles was wir anfassen, nutzen, essen und lieben.” Dirk Röder

Es gibt genügend Beispiele aus dem Alltag, wo Technik uns Arbeit abnimmt oder das Leben erleichtert. So ist es für die Familie mit kleinem Vorgarten total normal, dass in Abwesenheit ein kleiner Droide auf dem Rasen spazierenfährt und dabei mit gewitzten Scherenhänden die Halme auf Normalmass stutzt. Einzig die Oma von gegenüber und der Hund des Nachbarn hadern noch mit diesem gespenstischen autonomen Fahrzeug. Die moderne Single Wohnung verfügt dann natürlich über einen Saugroboter, der ähnlich dem Rasenmäher funktioniert, nur eben in der Wohnung den Wellensittich durchdrehen läßt. Zu guter letzt ein Beispiel aus der Gastronomie. Früher bekam man Plastikteile in die Hand, die vibrieren wenn das Essen abholbereit ist. Heute macht man das mit einer Push Nachricht.

 

„Von der Digitalisierung hängt der ganze Wohlstand Deutschlands ab“, betonte Merkel kürzlich im Bürgerdialog Nürnberg

Unsere Frau #Neuland Merkel kann damit aber vermutlich nicht den Rasenmäher meinen. Natürlich liest sie das vor, was man hier hinlegt, aber zumindest hat der Schreiber irgendwo gelesen, dass nur 40 Prozent der Führungskräfte in der Chefetage künftig verstärkt in digitale Technologien investieren wollen und nicht mal 1/3 den technologischen Fortschritt als unverzichtbar anerkennen. Lässt man die Zahlen kurz sacken, dann sollte das im Grunde bei eben diesen unter 33% eine sofortige Kündigung nach sich ziehen. Wir reden hier vom Land der Ingenieure, und da wollen Führer der Wirtschaft lieber auf das Pferd setzen, statt Henry Ford zu zu hören? Deutschland ist satt und faul geworden. Doch passiert die Globalisierung sowohl als auch die Digitalisierung ohne uns. Während es mit SAP in Deutschland im Grunde nur ein namhaftes IT Haus gibt, herrschen die Giganten aus dem Silicon Valley über die Welt (der Daten). Das Öl des neuen Jahrtausends ruft in vielen Köpfen nur Ängste hervor, statt die vielseitigen Chancen zu ergreifen.
Kutschenbauer, Hufschmiede, Kamerahersteller, Videothekenbetreiber oder Handyhersteller bieten tolle Geschichten über Firmen, die aus der Zeit gefallen sind. Und 100% lachen über diese gescheiterten Geschäftsmodelle. Es ist aber ebenso nahezu 100% sicher, dass analoge Firmen irgendwann mit einem Atemzug mit Kodak, Blockbuster oder Nokia genannt werden.

Anbei meine Top 5 Entwicklungen durch Digitalisierung: Sprungmarke zu Versicherungen, Banken, Einzelhandel, Messenger und Fazit.

Verkehr

Der Straßenverkehr ist viel zu gefährlich, als das man den Menschen noch länger ans Steuer lassen kann. Wir Menschen können ja nicht mal richtig an der Ampel anfahren, geschweige denn das Reißverschlussverfahren. Daher stellen in Zukunft autonome Autos das Rückgrat des öffentlichen Großstadtverkehrs. Die Folgen für einige Branchen werden verheerend sein. Der Beruf des Taxifahrers stirbt aus und mit ihm die Wegelagerer für Parkvergehen, denn der Nutzungsgrad eines PKW steigt von heute ø10% auf über 50%. Das hat dann aber zur Folge, dass die Anzahl der Autos in der Stadt massiv sinkt und der teure Verkehrsraum für Parkbuchten den Menschen zurückgegeben werden kann. Die deutsche Vorzeigeindustrie wird im Umkehrschluss viel weniger Autos verkaufen und die Überkapazitäten der vergangenen Jahre schwer auf der Bilanz lasten.
Der autonome LKW von Mercedes machte in den vergangenen Monaten Schlagzeilen. Nur weil das Ungetüm 20x mehr als ein Cayenne wiegt, entspricht die für autonomes Fahren notwendige Technik im Grunde der aus einem Auto. Es ist letztlich Software, die man dann mit “copy paste” vervielfältigt. Neben unfallfreiem Fahren gibt es noch einen ganz anderen fantastischen Vorteil. Die Lieferung von Warschau nach Köln braucht nun mindestens 8 Stunden weniger, denn Computer müssen keine Pause machen. Der Beruf des LKW Fahrers allerdings wird wohl für ewig pausieren.

Nachweislich macht ein Computer weniger Fehler als ein Mensch. Google hat das bereits mit seiner Flotte an autonomen Autos eindrucksvoll bewiesen. Seit ca. 2 Wochen düsen selbst in Deutschland lautlos Tesla Model S Besitzer autonom über die Strassen. Heute. In 2015. Der Wagen wechselt nach dem Blinken auf der Autobahn selbstständig die Spur, oder bremst vor der Ampel ab und fährt bei grün wieder los.
In 2020 wird das erste voll autonome Fahrzeug verkauft. Und mit jedem verkauften Auto, LKW oder Bus sinkt die Gefahr für Unfälle. Frau Merkel – dann in Ihrer 6. Amtszeit – wird historisch niedrige Verkehrstote ab 2025 vermelden und diesen Erfolg natürlich als ihren eigenen verkaufen “Ich habe es doch gesagt, wir schaffen das!”. Ihre Glückseligkeit wird jedoch nicht lange währen, denn relativ bald braucht eine Industrie wieder Steuergelder weil “too big to fail”.

Versicherungen

Mit Kraftfahrzeugversicherungen verdienten die Versicherungskonzerne bis 2020 prächtig. Doch dann begannen die Unfallzahlen drastisch zurück zu gehen und bis zum Jahr 2030 wird damit gerechnet, dass es eigentlich keine Unfälle mehr gibt. Eine profitable Einkommenssäule vaporiert einfach dank ein paar Tausend Zeilen Code.

Das Ergebnis des „Global Digital Insurance Benchmarking Report 2015“ attestiert, dass mehr als die Hälfte der Konzerne keine digitale Strategie haben. Dabei steigt der Anteil von digital aktiven Kunden weltweit auf 79% bis 2020. Dies gilt für die Informationsbeschaffung bis hin zur Schadensmeldung. Obwohl mehrheitlich zentrale Elemente für die Verarbeitung der digitalen Datenströme fehlen, erwarten die Unternehmen drastische Anstiege in der Nutzung von digitalen Schnittstellen, z.B. für Schadensmeldung um bis zu 31%. Die Verlierer sind hier die Agenturen und Versicherungsvertreter, die durch digitale Vertragsabschlüsse, Betreuung und Schadensregulierung nicht mehr gebraucht werden.

“Viele Versicherer schaffen es kaum, mit ihren Kunden mitzuhalten, geschweige denn ihre Strategie für das digitale Zeitalter zu entwickeln” Dr. Henrik Naujoks, Bain & Company.

Banken

Die Banken stehen nicht viel besser da. Als Standardausrede wird hier die Regulierung angeführt, um den schwarzen Peter an die Politik zu übergeben. Doch eigentlich benötigt die Branche dringend einen echten Neustart ihrer kompletten IT Infrastruktur. Dies ist enorm teuer, aber immer noch billiger als mit alten Systemen in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Doch nicht erst seit junge, kleine, wendige Start-ups den Markt der Finanzdienstleistungen aufräumen erlebt die Bankenbranche eine Veränderung. Es begann in den 90er Jahren mit dem aufkommenden Online Banking. Begleitet durch den Irrglauben die lästigen Privatkunden an eine online Tochter auszulagern, schossen die Brüder und Töchter bekannter Geldhäuser aus dem Boden. Dieser erste Schritt der Digitalisierung war zugleich ein Schuß ins eigene Knie, denn die neuen Ableger köderten die eigenen Kunden durch günstige Gebühren von den etablierten Filialen. Das kostenlose Girokonto war geboren. Im nächsten Schritt wurden die Besitzer von Aktien mit günstigen Transaktionsgebühren von den traditionellen Häusern abgezogen und man verlor eine weitere Einnahmequelle.
Parallel schwappte der Trend aus USA zu uns herüber, dass man alles auf Pump kaufen könne. Spezialanbieter für Konsumentenkredite etablierten sich am Markt, indem sie Verträge mit den großen Handelshäusern schlossen. Viel dramatischer sind aber die Banken der Autokonzerne, die die Finanzierung des neuen Wagen reibungslos in den Kauf integrieren. Riesige Kreditvolumen fliessen ab an neue, flexiblere Anbieter. Im Bereich der Finanzierung ist letztlich das letzte Bollwerk Immobilienfinanzierung gefallen. Mit Firmen wie Interhyp sind aggressive Aggregatoren am Markt, die die Kundenbeziehung der Bank zum Darlehensnehmer kappen und eine internetübliche Transparenz reduzieren.

In der Retroperspektive verlor der einstige Vollsortimenter Bank nach und nach Einnahmequellen. Übrig ist im Grunde nur noch das Girokonto mit seinen Basisfunktionen Geld empfangen,senden, abheben und einzahlen. Doch auch hier ist mit z.B. number26 ein Anbieter auf dem Markt erschienen, der diese rudimentären Funktionen einer jungen Zielgruppe entsprechend per App steuern läßt. Ganz zu schweigen von den IT Schwergewichten aus Übersee, hier allen voran Apple mit Apple Pay. Mit der Verbreitung von NFC wird die Bezahlung auf das Telefon verlagert – ein Gerät, dass 90% der Menschen 24 Stunden lang greifbar haben!
Am Ende wird das Filialsterben weitergehen und damit der Beruf des Bankangestellten immer rarer.

Einzelhandel

Auch wenn der Anteil des e-commerce in Deutschland noch bei 10-15% liegt, steigt er jährlich dramatisch an. Die alten Kaufhäuser stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe mit der immer lieferfähigen und diversifizierten Angebotswelt des Internets zu konkurrieren. Während zu Beginn hauptsächlich Elektronik über das Internet vertrieben wurde, gründete die REWE Gruppe eine eigene Firma für den digitalen Einkauf im Supermarkt. Amazon testete bereits 2007 in USA den Versand von frischen Lebensmitteln und der Markteintritt steht auch in Deutschland kurz bevor.
Der Wochenendeinkauf zum gemeinsamen Kocherlebnis mag noch am Gemüsemarkt stattfinden, doch abgepackte Produkte wie Milch, Butter, Haarspray oder Käse bieten sich für den Versand an. Wo heute teilweise noch die Mitarbeiter in den Filialen die Einkäufe zusammenstellen, testet Rewe bereits drohnen-gestützte Kommissionierung in eigenen Verteilerzentren. Von da ist es nur noch ein weiterer Schritt die Tür zu Tür Lieferung umzusetzen.

Das Thema Logistik ist grundsätzlich für jede Digitalstrategie entscheidend. Während es für online shops eine Vielzahl von Plugin- oder “out of the box” Lösungen gibt, sorgt die häufig unterschätzte Versandseite regelmäßig für Probleme. Schnell Verfügbarkeit der Produkte zwingt zu optimalen Betriebsabläufen nach dem Kauf im Internet und greift tief in alle Abteilungen des Unternehmens ein. Völlig neu ist auch die Rückabwicklung von Einkäufen aufgrund des Fernabsatzgesetzes inklusive neuer Kalkulationen aufgrund von beschädigten Materialien.
Vor Ort ist die Bezahlung heute noch der größte Flaschenhals im Supermarkt (Einzelhandel), mal abgesehen von der Schlange vor der Wursttheke. Hier zeigte IKEA als einer der ersten, wie man die Arbeit auf die Kunden auslagert und diese scannen läßt. Das suggeriert mehr eigene Kontrolle über den Vorgang und spart Lohnkosten. Erste Supermärkte übernehmen das Konzept, doch die Zukunft wird die Kassen gänzlich verschwinden lassen. Wenn sich mobile payment verbreitet hat, kann der Kunde doch auch gleich direkt die gewählte Ware bezahlen, wofür braucht es da noch Kassen?

Doch auch das Verschmelzen von analoger und digitaler Welt ist ein vielversprechender Ansatz. Wo steht denn geschrieben, dass der Kunde einen Supermarkt betreten muss, um Milch zu kaufen (ersetze Supermarkt mit Deichmann und Milch mit Schuhe). Entsprechende Werbung an Knotenpunkten wie Bahnhöfen bietet per Plakatwand die Lieferung auf’s Land (coop Pilot in der Schweiz). Gestartet wurde dieser Trend in Korea’s U Bahn von Tesco, dem britischen Lebensmittelriesen. Hier kann per Smartphone der Einkauf zusammengestellt und nach Hause geliefert werden.
Zusammenfassend verringert sich der Bedarf an Personal in den Filialen vor Ort und wird durch die Logistikzentren nicht kompensiert, da dort hochentwickelte IT menschliche Unterstützung limitiert.

Messenger

Zu den bekannten Produkten whatsapp oder snapchat ist bereits vieles gesagt worden. Die neue Generation schreibt sich lieber 30 Minuten lang Textnachrichten, statt einmal kurz zu telefonieren. Doch sind die messenger aus dem Alltag vieler nicht mehr wegzudenken.
In den vergangenen Monaten mehren sich die Hinweise auf Einkaufsfunktionen. In Asien ist es bereits üblich mit wechat Bestellungen aufzugeben und zu bezahlen. Für uns ist es völlig undenkbar ein Millionen Anwesen über einen Messenger zu bezahlen – für Immobilienmakler in den USA sind solche Abwicklungen zumindest nicht ungewöhnlich (Artikel auf BI) Dieser Trend wurde Anfang 2015 von Pizza Hut für Twitter übernommen und bietet einen Ausblick, wie sich die Messenger zu mulitfunktionalen Werkzeugen entwickeln. Wer sagt denn, dass ich nicht meinem Kaffee bei Starbucks mit einem #Coffee oder den #Whopper bei Burger King bestelle. Ein Schlüsselrolle übernehmen hier wieder einmal die Schnittstellen (APIs), über die sich Mehrwertdienste in die beliebten Apps einklinken und somit ständig verfügbar sind. Denn die überbordende Anzahl von Apps auf dem Smartphone hat heute einen Kampf um die erste Seite des Telefons entfacht und die Messenger belegen hier regelmäßig die vordersten Plätze. Was liegt da also näher, als die meistgenutzten Apps für sich zu nutzen und seine Dienstleistung darüber anzubieten?

Fazit

Viele Entwicklungen sorgten für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen. Die Digitalisierung wird langfristig aber zu einer steigenden Arbeitslosigkeit führen, weil Maschinen immer mehr alltägliche Aufgaben übernehmen. Das Eingangs erwähnte Rasenmähen sei hier symbolisch für so viele Tätigkeiten genannt, die unser Leben erleichtern. Das endet mit dem lästigen Einkauf kurz vor Ladenschluss, der zuknüftig von einer Drohne erledigt wird, die den Kühlschrank füllt.
Im Beitrag auf Spiegel wird deutlich, dass konservative Ökonomen massenhafte Jobverluste befürchten, während ausgerechnet linke Wissenschaftler den steigenden Lebensstandard propagieren. Vor wenigen Jahren war es noch die Ökonomen, die die Maschinen vor den Linken verteidigen mussten.

“In den kommenden Jahren entstehen in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze. In derselben Zeit gehen aber voraussichtlich 490.000 meist einfachere Jobs verloren” Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Gerade die einfachen Jobs werden immer mehr von der Technologie ersetzt, doch macht die Entwicklung auch vor den hochbezahlten Jobs nicht Halt. So rechnet die London School of Economics mit einem Jobverlust für 50% aller Arbeitnehmer in Deutschland. Sobald Maschinen Maschinen bauen, wird der Mensch zum reinen Konsumenten und die Politik sollte sich schon einmal Gedanken über ein bedingungsloses Grundeinkommen und Freiminuten für Uber machen.

cash26 bedeutet Bargeld ohne EC Karte

Montag, 26. Oktober 2015

Alle reden von mobile payment, doch die Nutzung hinkt den Versprechungen hinterher. Die Nutzer – allen voran die Deutschen – hängen am Bargeld. Während meines Urlaubs bekam ich als Kunde von number26 die Info, dass die neue Dienstleistung cash26 mit der aktuellen App Version von number26 verfügbar ist. Endlich zurück in Deutschland habe ich das heute sogleich ausprobiert.
Es gibt zahlreiche Artikel im Netz (hier z.B. von mobiflip.de) zum Start von cash26, doch wollte ich das live ausprobieren. In der neuen App gibt es unter dem „+“ Zeichen nun die Funktion cash26. Damit kann man Geld abheben oder einzahlen.

  1. Auswählen
  2. Betrag eingeben
  3. Bestätigen
  4. Fertig

Im Penny bei mir um die Ecke stelle ich mich also an die Kasse und halte der Dame selbstbewusst mein iPhone mit dem Strichcode auf der App vor die Nase „Hallo, ich möchte hier gerne Geld abheben!“. Der Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Offenbar bin ich der Erste hier, der per App Bargeld abhebt. Dem zusätzlichen Hinweis „Einfach über den Scanner halten“ folgt sie und ist mächtig baff, als plötzlich die Kasse aufgeht, ein Bon kommt und die Anzeige „-50,00 €“ anzeigt. Ohne Zicken bekomme ich mein Geld. Die Leute hinter mir in der Schlange murmelen skeptisch vor sich hin, was das denn nun wieder für ein moderner Scheiß sei…

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Auf zur Filiale

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Mit wenigen Klicks 50 € bestellt

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1a geklappt

Fazit

Diese Idee von number26 ist ein Zwischenschritt zum eigentlichen mobile payment, bietet aber den Bargeldliebhabern bis auf weiteres tatsächlich die Möglichkeit an selbiges zu kommen, ohne eine Brieftasche voller Plastikkarten mitzuschleppen.
So simpel und einfach wie es hier klingt, so genial ist die Idee. Berücksichtigt man hier noch das Einzahlen von Geld auf das Konto, so ersetzt der Anbieter den Bedarf für eine Filiale rund um das Thema Bargeld mit den 3000 cash26 Akzeptanzstellen wie z.B. Penny. Somit schließt number26 eine weitere Lücke und macht sich von den Geldautomaten anderer Institute unabhängig. Vor allem aber gibt es einen echten Mehrwert, sobald Apple Pay verfügbar ist (das scheint ja unmittelbar bevorzustehen). Dann bedarf es nur noch eines iPhones (oder Android), um faktisch alle Transaktionen im Handel zu erledigen.

Kleinkredite am POS: So knacken Banken und Sparkassen den Handel!

Sonntag, 06. September 2015

Das Thema Big Data ist in aller Munde. In dem Zusammenhang wird in der Regel aber immer vom Datensammeln gesprochen und der damit verbundenen Angst in der Bevölkerung.

Für die Unternehmen ist aber nicht die schiere Datenflut interessant, sondern was sie aus den Daten herauslesen können. Square aus USA geht hier mit einem guten Beispiel voran und entwickelte aus dem Datensatz der Kreditkartenumsätze seiner Händler ein völlig neues Geschäftsmodell. Diversivizierung durch Digitalisierung sozusagen. Schließlich kann Square dank der großen Verbreitung der Kartenterminals und Kassensoftware Vergleiche zwischen ähnlichen Händlern ziehen. Nehmen wir an 1000 Eisdielen nutzen die Software. Auf dieser Datenbasis kann Square folglich tagesgenau errechnen, welche Eisdielen gut, durchschnittlich oder gar schlecht laufen. Wirft man noch weitere Daten anderer Branchen am selben Standort hinzu, ergibt sich ein relativ gutes Bild über die Kaufkraft am Ort und den entsprechenden wirtschaftlichen Erfolg.
Aus dieser und vermutlich noch vielen weiteren Berechnungen bietet Square nun seinen Händler Kredite in Form eines Bargeldvorschuss an. Ein Geschäft, für das die Banken zu schwerfällig, zu unflexibel scheinen. Gleichwohl die über ähnliche Infos verfügen sollten.

Mein Artikel im IT Finanzmagazin handelt ausführlich über Square und seine Pendants in Europa.

Bezahlen am POS, online, mobile…

Donnerstag, 03. September 2015

Die Händlerseite

Der Kampf um das Bezahlen am POS mit Plastikgeld geht in die nächste und vielleicht letzte Runde. In den vergangenen Tagen investierten VCs mehr als € 70 Millionen in Anbieter mobiler Kartenlesegeräte. Darunter die skandinavische Firma iZettle, die sich den Löwenanteil (60) sicherte, um nach dem Vorbild Square Capital den Händlern mit unbürokratischem Vorschuss kleine Finanzierungslücken zu schließen. Eine ausführliche Analyse dieser neuen Dienstleistung habe ich beim IT Finanzmagazin erläutert; letztlich wird hier ein POS Kartenterminal Anbieter plötzlich zum Fintech und erobert Marktanteile im ureigenen Markt der Banken.

Quelle: Square

Quelle: Square

Neben Square, die 2009 den sogenannten Dongel für iPhones/ iPads erfunden haben, tummeln sich iZettle (2010), sumup (2011) und  payleven (2012) in diesem Marktsegment. Während Square und sumup neben dem Kartenlesegerät auch gleich eine POS Infrastruktur aufbauen, begnügen sich payleven und iZettle mit den reinen Kartenlesern. Betrachtet man die Webseite von Square eingehend, so gibt es starke Ähnlichkeiten zum POS Kassensystem Pionier orderbird aus Berlin.
Neue Anforderungen an die Sicherheit der Lesegeräte brachten weitere Evolutionsstufen hervor. Vor allem im Kreditkartenland USA gibt es nun einen harten Schnitt weg vom Magnetstreifen hin zum sicheren Chip mit PIN. Die pfiffigen Dongel entwickelten sich stetig weiter und können nun neben Chip auch kontaktlose Zahlarten wie Apple Pay akzeptieren.

Während Square in USA erfolgreich Händler ausrollt, fehlen hier in Deutschland / Europa noch harte Fakten. Die klassischen Kartenlesegeräte (Knochen) sind auch nicht in ihrer Entwicklung stehen geblieben und bieten mobile, kleine Geräte an. Vor allem in der Gastronomie ist das entscheidend, will man doch nicht der Bedienung die Kreditkarte mitgeben. Diese Produzenten werden nun aber auch von anderer Seite in die Zange genommen. Eine völlig neue Gerätegeneration von Kartenlesern erobert gerade den US-Markt. Hinter clover steht einer der größten Kreditkarten-Acquiring-Banken der Welt: First Data. Das vom Design an Apple erinnernde Produkt Poynt wurde von Osama Bedier (Google Wallet und PayPal) gegründet und auch Wincor Nixdorf ergänzt sein Produktportfolio um eine aufgebohrte Kartenakzeptanzeinheit namens Albert. Was all diese neuen Produkte eint ist der Plattformgedanke. Externe Entwickler können in einem eigenen App Store Ihre Lösungen für die Kunden (Einzelhandel, Gastronomie, etc.) anbieten und distribuieren. Von Kassensystem, Schichtplanung über e-commerce, der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Diese Flexibilität wurde mit einem günstigen Preis und einem „all-in-one“ Ansatz kombiniert. Poynt bietet alle (künftigen) Zahlungsmöglichkeiten, ein zweites – zum Kunden ausgerichtetes – Display zur PIN Eingabe und sogar einen eigenen kleinen Drucker für nur US$ 299 an. Damit können kleine Betriebe von Apple Pay bis Bargeld alles akzeptieren, quittieren, verbuchen und anschließend auswerten. Die noch vor wenigen Jahren hippen iPad Kassensysteme stehen zu dieser neuen Gerätegeneration im direkten Wettbewerb und werden sich gerade im kleinen Einzelhandel gegen diese neue Konkurrenz schwertun.

Unterstützt von Mastercard und Visa werden weltweit Kartenterminals NFC fähig gemacht. Damit ist die Technik für den POS quasi gesetzt. Jetzt, wo auch Apple nach langem Zögern auf NFC setzt und von Android Pay flankiert wird, kommt den Handys und Wearables eine immer größere Bedeutung beim Bezahlen am POS zu. Damit droht allen anderen Anbieter von Lösungen zum Bezahlen am POS die Bedeutungslosigkeit.
Bei den Kassen selber sind kombinierte Lösungen klar im Vorteil. Ein Kassensystem + Kartenterminal + Flexibilität den individuellen Bedarf an Zusatzfunktionen hinzu zu buchen bieten derzeit nur Albert, clover und poynt. Man darf gespannt sein, ob z.B. orderbird die Software auf poynt anbietet und somit komplett aus dem Hardwaregeschäft aussteigt.

Die Nutzerseite

Allerdings sei die provokante Frage gestattet, ob es überhaupt noch der Hardware bedarf? Und mit Hardware ist hier explizit das Stück Plastik von Visa & Co gemeint. In der IT würde man die Plastikkarte als Medienbruch bezeichnen, der einer überholten Logik folgend eine digitale Transaktion analog unterbricht. Die wirkliche Revolution beim Bezahlen am POS ist bereits in den USA aktiv und kommt (hoffentlich bald) nach Deutschland: Apple Pay. Auf Betriebssystem-Ebene werden die Zahlungsinformationen hinterlegt und können direkt über ein NFC fähiges Kartenterminal aktiviert, oder durch ein SDK in jede App integriert werden. Damit umgeht der Nutzer die Eingabe von IBAN, Kreditkartennummer oder PayPal Anmeldung in Apps. Vor allem aber ist die Verankerung im Betriebssystem ein klarer Geschwindigkeitsvorteil gegenüber jeder am Markt befindlichen „Wallet Lösung“ am POS. Denn egal ob PayPal oder Yapital, es bedarf viel mehr Schritten bis zur Bezahlung:

  1. Handy entsperren
  2. App starten
  3. QR Code Scannen / App ans NFC Zahlterminal halten
  4. Zahlung authorisieren

versus dem Auflegen des Handys auf das NFC Terminal unter Nutzung von TouchID. So wird übrigens auch Android Pay funktionieren. Das Apple Pay begleitende Medienecho zeugt bereits von der damit einhergehenden dramatischen Änderung für die Zukunft am POS. Das Smartphone wird nun Zug um Zug die Geldbörse ablösen und sich weiter in den Alltag von uns allen einnisten. 91% der Menschen haben 24/7 das Smartphone ohnehin maximal eine Armlänge entfernt stets griffbereit. Die nostalgische Liebe zur Geldbörse wird auch vergehen, wie so viele andere Alltagssituationen unwiederbringlich durch das iPhone & Co verdrängt wurden.

Für Anbieter wie PayPal wird es nun schwer. Noch ist PayPal im Internet sehr erfolgreich, doch informierte Kreise vermuten die Erweiterung von Apple Pay auf klassische online-shops. Da verwundert es kaum, dass PayPal nun fast wöchentlich Akquisitionen oder neue Produkte bekannt gibt. So kürzlich PayPal Me zur Überweisung von Geld unter Freunden, um die Relevanz der Marke, sowie die Einsatzmöglichkeiten zu erhöhen.
Für das noch gar nicht richtig gestartete deutsche Konkurrenzprodukt paydirekt wird es umso schwerer. Weil die deutsche Bankenwirtschaft nach 15 Jahren Dornröschenschlaf nun im e-commerce ohne App Integrationen startet und so schon beim Start dem nächsten Trend hinterher läuft. Denn selbst Deutsche nutzen mittlerweile eher ihre Smartphones statt PCs. Weltweit ist das Phänomen Smartphone noch weitaus erfolgreicher. Die nächste Milliarde Menschen im Internet, kennen keinen Desktop- oder Laptop Computer. Die sogenannte dritte Welt in Afrika nutzt mit M-Pesa das Handy für jegliche Geldtransaktionen im Alltag und bewegte über CHF 1 Mrd. in 2014 über SMS. Wie müssen sich Flüchtlinge aus Kenia, Lesotho oder Mosambik hier in Deutschland fühlen, wenn man von Ihnen Bargeld verlangt? Vermutlich kommen die sich vor wie in der dritten (Technik-) Welt!

paydirekt: Totgesagte leben länger

Mittwoch, 19. August 2015

Derzeit überschlagen sich die negativen Meldungen zu paydirekt! Neben einiger korrekter Kritik gibt es aber auch viel Lust am Schlechtreden. Hier möchte ich vor allem die jüngsten Berichte über das Fehlen der Sparkassen zum Start in 2015 nennen. In den letzten Tagen wurde das hoch gekocht, ist doch aber seit mindestens 31.07. bekannt (Artikel Stuttgarter Nachrichten). Selbstverständlich zeigt dies die Probleme in dem komplexen und komplizierten Bankenkonstrukt in Deutschland mehr als deutlich.

Vielmehr steht das Projekt dafür, wie ineffizient die verkrusteten Strukturen in der deutschen Kreditwirtschaft mit ihren drei Säulen aus Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Privatbanken sind. (FAZ vom 19.08.15)

Gleich vorweg gesagt, ich schätze die Chancen für diese Unternehmung in Ihrer derzeitigen Verfassung und Außendarstellung als gering ein. Doch versuche ich mich mal an einem Für und Wider.

Für

  • Es gibt eine Webseite – bestehend aus ganzen zwei HTML Seiten (siehe auch Wider)
  • Durchgriff auf Girokonten über die Plattform bietet riesiges Kundenpotential
  • Vertrauen und Datensicherheit /-schutz ist für viele facebookende und whatsappende Deutsche vor allem bei Bankgeschäft äußerst wichtig. Der Widerspruch zu Ihrer teilnahmslosen Einstellung zum NSA/ BND Skandal darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies gerade für die Generation Jahrgang 1970 und älter enorm wichtig ist.
  • Gebührenmodell kann kompetitiv ausgelegt werden, da keine Dritte wie Kreditkartenunternehmen die Hand aufhalten
  • Der Handel läßt sich mit Einsparungen bei den Gebühren einspannen
  • Hochfahren des Systems Zug um Zug. Dieser Punkt steht in der Kritik, ist aber seitens der Softwareentwicklung ein schlauer Schachzug, um etwaige Fehler im System zu erkennen und zu verbessern, bevor wirklich Tausende Transaktionen laufen
  • Selbst der Sparkassenverband konnte sich durchringen mitzumachen. Auch wenn erst 2016, so sind sie dabei und damit ein großer Batzen an Kundenkonten

Wider

  • Zwei ganze Seiten und davon kommt nur die Startseite halbwegs emotional daher? Natürlich ist paydirekt kein echtes Start-up, doch erwartet der künftige Nutzer (Kunde) deutlich mehr Emotionen und eine geile Webseite. Der Nutzer möchte sehen wie einfach zahlen mit paydirekt geht.
  • Ein Händler muss im schlimmsten Fall mit allen Bank eigene Verträge schließen, was einem bürokratischen Albtraum gleichkommt und den Druck auf die Gebühren entsprechend erhöhen dürfte (WiWo vom 18.08.15)
  • Die Abhängigkeit von paydirekt von den Banken und deren Gremien. Es darf angenommen werden, dass hier paydirekt nicht so frei schalten und walten kann wie es will und muss!
  • Keine mobile Lösung verfügbar, was in unserer heutigen Welt der schwerwiegendste Nachteil sein dürfte. Wenn man schon zu spät zur Party kommt, sollte man kein Dosenbier mitbringen, wenn alle mittlerweile Moscow Mule saufen. Es stillt den Durst und macht auch besoffen, nur ist es halt aus der Zeit gefallen.

 

paydirekt hat sicher eine Daseinsberechtigung und kann auch Marktanteile gegen sofortüberweisung & Co gutmachen. Allerdings müssen in Lichtgeschwindigkeit die Versäumnisse und Probleme ausgeräumt werden, um den Nutzer und Händlern ein marktgerechtes Produkt zu bieten. paydirekt muss ein echtes Start-up sein und sich dem Markt anpassen oder gar – völlig wahnsinnige Idee – diesen sogar mal leiten.

Neueste Zahlen zur Nutzung der Apple Watch sollten die Kollegen rund um Niklas Bartelt aufhorchen lassen: 20% haben mit der Uhr überhaupt zum ersten Mal mit Apple Pay bezahlt und 75% wollen nur noch mit der Uhr bezahlen. Soviel zum Thema mobil. Zum Schluss noch ein Bild aus dem heise.de Forum, was in etwa die Innovationskraft Deutschlands auf den Punkt bringt.

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Erster deutscher Kaffee mit Mobile payment

Mittwoch, 02. Januar 2013

Mobile payment bei opentabs

Gemeinsam mit SFCC feiern wir die erste mobile Transaktion in Deutschland in der Filiale am Kurfürstenplatz.
Die aktuelle Version von opentabs enthält nun auch mobile payment über Kreditkarte (MC und VISA). So kann der Nutzer die Schlange an der Kasse überspringen und per App drängeln, ohne zu pöbeln.

Hier in der Filiale im Herzen von Schwabing wird opentabs getestet und bei Erfolg in allen anderen Filialen der SFCC ausgerollt. Wir freuen uns riesig über diesen großen Meilenstein unserer kleinen Firma.

 

Ergänzung 30. Mai 2013 | Ausrollen
Nach dem erfolgreichen Test in den letzten Wochen werden wir opentabs in andere Filialen der SFCC ausrollen und zugleich auch unsere offene API testen. Der Kassenhändler KMZ hat auf für die Vectron Kasse eine Schnittstelle programmiert die unser JSON einlesen und verarbeiten kann. Somit verbucht die Kasse alles ordentlich, so als hätte es eine Bedienung vor Ort per Hand eingegeben.

Gründung der opentabs UG

Dienstag, 17. Januar 2012

Die Idee

Das ist vermutlich jedem schon einmal passiert: Du sitzt in einer Bar/ Restaurant und hast Durst, doch die Bedienung ist beschäftigt und ein Blickkontakt ist einfach nicht herzustellen. Im November 2011 saß ich mal wieder in einem Restaurant. Ich trinke ziemlich viel Coke light/ zero und als ich wieder einmal trocken lief und die Bedienung mir partout kein neues Getränk an den Tisch brachte, kam die Idee, einfach mit einer App die Coke zu bestellen. Am Tresen würde die Bestellung mit der Tischnummer ankommen und müsste nur noch ausgetragen werden. Letztlich 2 von 3 Wegen gespart:
1. Weg: Speisekarte bringen
2. Weg: Getränkebestellung aufnehmen
3. Weg: Speisebestellung aufnehmen
Mit einer App wäre ich unabhängig von der Bedienung und sie hätte gleichzeitig viel mehr Zeit, weil sie weniger laufen müsste (siehe auch auf unserer Webseite)

Zu der Zeit traf ich mich regelmäßig mit Nicolas zum Mittagessen im Blockhouse auf der Leopoldstr. Da tauschten wir Aktientips und Gedanken über alles mögliche aus. Ich erzählte Nicolas von meiner Idee und wir schauten uns im Restaurant um, und stellten fest, die Gäste mussten auch für’s Bezahlen warten. Ich habe Nicolas auch vor allem deswegen ausgewählt, da er als Gründer nicht nur Probleme sieht, sondern vor allem Chancen erkennt. Bereits während dem Essen arbeiteten wir an der Idee weiter und trafen uns an mehreren Abenden zum Gedankenaustausch. Schnell wurde uns klar, dass es ohne einen ITler nicht gehen würde. So kam mein langjähriger Freund Sebastian Heise ins Team.

Heute schafften wir Fakten und gründeten opentabs. Seitdem bestimmt der Bestellprozess in der Gastronomie unsere Gedanken.

Gründung leicht gemacht

Mit der Rechtsform der „kleinen GmbH“ (die sogenannte UG) kann man seit kurzem in Deutschland relativ schnell und unkompliziert eine Kapitalgesellschaft mit einem Stammkapital von nur €1 gründen. Wir entscheiden uns jedoch für einen Start mit €1000, letztlich entstehen ja auch weitere Kosten, die dann sogleich gedeckt sind.
Nicolas hat durch seine Erfahrung mit sharewise ja bereits Start-up Erfahrung gesammelt und weiß, welche Vorbereitungen zu treffen sind. Mit einem einfachen Vertrag der die Verteilung der Anteile unter den drei Geschäftsführern regelt gehen zum Notar und verlassen diesen nur wenig später als Gründer einer UG.