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Bitcoin und die Blockchain

Dienstag, 23. Februar 2016

Entstehungsgeschichte

Eine Person oder eine Gruppe mit dem Namen Satoshi Nakamoto erfand 2008 die Technik hinter Bitcoin (mehr dazu hier). Der Kern der Erfindung ist ein Zahlungsmittel und Buchungssystem, daß

  • transparent
  • dezentral
  • sicher
  • nicht inflationär
  • und anonym

ist. Die Kombination aus Bitcoin (Zahlungsmittel) und Blockchain (Buchungssystem oder Kassenbuch) stellt laut Netscape-Gründer und Starinvestor Marc Andreessen die dritte zentrale Tech-Entwicklung dar, die sämtliche Rahmenbedingungen grundlegend verändert hat: 1975 der PC, 1993 das Internet und 2008 der Bitcoin!

In diesem System sind beide miteinander verwoben und weder der Bitcoin noch die Blockchain können eigenständig überleben – oder weniger drastisch gesagt funktionieren.

Blockchain

Die Blockchain ist eine durch Verschlüsselung geschützte, öffentliche geteilte Datenbank (Kassenbuch, Journal, o.ä.) mit Einträgen, die sich unendlich weiter fortschreiben, ohne das alte Einträge geändert oder gelöscht werden können.
Das fantastische an der Software ist, dass ein Netzwerk von Computern gemeinsam dieses eine öffentliche Kassenbuch über das Internet teilt und synchronisiert. Denn dort sind alle Transaktionen gebucht und jeder Teilnehmer am Netzwerk besitzt eine Kopie des Kassenbuchs.
Dank komplizierter mathematischer Prinzipien einigen sich alle beteiligten Computer permanent und völlig autonom auf den korrekten Zwischenstand des Kassenbuchs. Das bedeutet, jede Transaktion ist transparent (also öffentlich zugänglich) und die Rechner einigen sich darauf, dass die jeweilige Transaktion zu einem bestimmten Zeitpunkt stattgefunden hat. So, als wäre bei jeder Transaktion ein Notar anwesend, der die Richtigkeit der Daten verifiziert. Wofür also bisher Institutionen wie Banken notwendig waren, die die Rechtmäßigkeit der Zahlung bestätigten, erledigt dies das dezentrales Netzwerk eigenständig.
Die neuen Transaktionen werden in sogenannten Blocks gebündelt und an den vorherigen Block angehängt. Erneut kommen Verschlüsselungstechniken zum Einsatz, die die Unversehrtheit und Richtigkeit der Daten von Block zu Block sicherstellen und eine anschließende Bearbeitung der Transaktionen verhindert.

Somit ist gewährleistet, dass jeder Zugang zu einer gemeinsamen, einzigen und sicheren Informationsquelle hat. Datenbank Entwickler wissen um die Probleme, dezentrale Daten synchron zu halten. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass im Falle von Bitcoin/ Blockchain Teilnehmer im Netzwerk sind, die man nicht kennt. Dies ist eine weitere technische Revolution.

Derzeit ist das Wort Blockchain in aller Munde. Dabei werden verschiedene Prinzipien miteinander vermischt und das Verständnis zusätzlich erschwert. Man unterscheidet prinzipiell zwei Typen von Blockchains, die in der Art und Weise wie sie zu der Übereinstimmung der Richtigkeit der Daten gelangen deutlich unterschiedlich arbeiten:

Teilnahme ohne Zustimmung

Bitcoin ist open source, also offen und zugänglich für jedermann. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich die Teilnehmer im Netzwerk, sowie auch die teilnehmenden Computer gegenseitig nicht kennen und demnach misstrauen.
Die Integrität einer solchen Blockchain wird über einen rechen-intensiven Prozess “proof of work” sichergestellt. Die dafür notwendige Rechenleistung ist enorm und steigt ständig. Die darauf spezialisierten Computer werden auch “miner” genannt. Die miner halten das Netzwerk am Laufen und erhalten als Belohnung für die Aufrechterhaltung der Integrität (“proof of work”) Bitcoins. Hier zeigt sich mehr als deutlich, dass Bitcoins und Blockchain nicht getrennt werden können.

Kleine Randbemerkung: Beim aktuellen Kurs von ca 420$/ Bitcoin können zu deutschen Stromkosten Bitcoins nicht mehr gewinnbringend geschürft werden, abgesehen davon, dass das Gerät vermutlich im Winter als Heizung für eine 100qm Wohnung dienen kann.

Teilnahme nur mit Zustimmung

Darunter fallen viele Projekte von Banken, wie z.B. R3, deren Blockchains privat sind und sich die Teilnehmer untereinander kennen. In der Regel gibt es auch gegenseitige Verträge und Verpflichtungen. Weil sich die Teilnehmer in diesem Netzwerk kennen, bedarf es nicht dem Prozess “proof of work” und auch keiner Entschädigung für die Anstrengungen, das System am Laufen zu halten.

Bitcoin

Der Bitcoin entsteht also als Ausgleichszahlung für die “miner”. Ein Bitcoin läßt sich in 100 Mio Einheiten teilen und die zu schürfende Menge an Bitcoins ist auf 21 Mio Stück begrenzt. Deswegen gilt der Bitcoin als nicht inflationär und steht unmittelbar im Zusammenhang mit der Finanzkrise und den Exzessen der (Noten-) Banken. Er unterbindet die stetige Steigerung der Geldmenge, wie es bei den FIAT Währungen durch die regulären Banken mittels Kreditvergabe (Geld in Form der Zinsen wird aus dem Nichts erschaffen), sowie der Druckerpresse der Notenbanken (FED, EZB usw.) geschieht. Dabei ist es egal, ob ein Bitcoin einen $ Wert, einen Unternehmensanteil, eine kW Stunde Strom oder eine Geburtsurkunde repräsentiert.

Die bei der Transaktion anfallenden Gebühren betragen nur etwa 1 Prozent! Das ist weit weniger als bei Kreditkartenzahlungen (2-3 %) oder beim grenzüberschreitenden Geldtransfer (bis zu 10%) und eröffnet die Möglichkeit von Micropayments, die insbesondere für die Nutzung von Medienprodukten wie Zeitungsartikel oder Musiktitel in der Diskussion waren. Dabei ist die Zahlung mit Bitcoins anonym, denn die Blockchain kennt nur Kontonummern (auch “wallets” genannt), nicht jedoch die Eigentümer der Wallets.
Die Anonymität ist vielen Politikern ein Dorn im Auge, weil dies kriminelles Handeln begünstigt. Folgt man dieser Argumentation, müsste allen voran der US$ verboten werden, denn mit ihm werden weltweit die meisten Drogen und Waffen gekauft, gefolgt vom Euro.
Ledger Wallet protects your bitcoins

In meinem nächsten Beitrag ich widme ich Anwendungsgebieten für Bitcoin bzw. Blockchain. Anbei noch ein anschauliches Video zur oben beschriebenen Thematik (in englischer Sprache).

cash26 bedeutet Bargeld ohne EC Karte

Montag, 26. Oktober 2015

Alle reden von mobile payment, doch die Nutzung hinkt den Versprechungen hinterher. Die Nutzer – allen voran die Deutschen – hängen am Bargeld. Während meines Urlaubs bekam ich als Kunde von number26 die Info, dass die neue Dienstleistung cash26 mit der aktuellen App Version von number26 verfügbar ist. Endlich zurück in Deutschland habe ich das heute sogleich ausprobiert.
Es gibt zahlreiche Artikel im Netz (hier z.B. von mobiflip.de) zum Start von cash26, doch wollte ich das live ausprobieren. In der neuen App gibt es unter dem „+“ Zeichen nun die Funktion cash26. Damit kann man Geld abheben oder einzahlen.

  1. Auswählen
  2. Betrag eingeben
  3. Bestätigen
  4. Fertig

Im Penny bei mir um die Ecke stelle ich mich also an die Kasse und halte der Dame selbstbewusst mein iPhone mit dem Strichcode auf der App vor die Nase „Hallo, ich möchte hier gerne Geld abheben!“. Der Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Offenbar bin ich der Erste hier, der per App Bargeld abhebt. Dem zusätzlichen Hinweis „Einfach über den Scanner halten“ folgt sie und ist mächtig baff, als plötzlich die Kasse aufgeht, ein Bon kommt und die Anzeige „-50,00 €“ anzeigt. Ohne Zicken bekomme ich mein Geld. Die Leute hinter mir in der Schlange murmelen skeptisch vor sich hin, was das denn nun wieder für ein moderner Scheiß sei…

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Auf zur Filiale

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Mit wenigen Klicks 50 € bestellt

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1a geklappt

Fazit

Diese Idee von number26 ist ein Zwischenschritt zum eigentlichen mobile payment, bietet aber den Bargeldliebhabern bis auf weiteres tatsächlich die Möglichkeit an selbiges zu kommen, ohne eine Brieftasche voller Plastikkarten mitzuschleppen.
So simpel und einfach wie es hier klingt, so genial ist die Idee. Berücksichtigt man hier noch das Einzahlen von Geld auf das Konto, so ersetzt der Anbieter den Bedarf für eine Filiale rund um das Thema Bargeld mit den 3000 cash26 Akzeptanzstellen wie z.B. Penny. Somit schließt number26 eine weitere Lücke und macht sich von den Geldautomaten anderer Institute unabhängig. Vor allem aber gibt es einen echten Mehrwert, sobald Apple Pay verfügbar ist (das scheint ja unmittelbar bevorzustehen). Dann bedarf es nur noch eines iPhones (oder Android), um faktisch alle Transaktionen im Handel zu erledigen.