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TTIP und TTIPLeaks

Donnerstag, 05. Mai 2016

Nachdem Greenpeace die Verhandlungsposition der USA zu TTIP offenlegte kennen eine halbe Milliarde Menschen in Europa nun beide Sichtweisen, wie ein gemeinsames Handelsabkommen aussehen könnte.

Es  ist es vielleicht hilfreich, sich mal kurz die Aussagen von Sigmar Gabriel zu TTIP vor dem Datenleck anzusehen. Auf einer Pressekonferenz am 29.08.2015 sagte er zu einem Gegner des Abkommens: „Wieso glauben Sie das die europäische Politik für die USA in die Knie geht?“ (ab 3:53m)  und weiter „Die Ursache, dass Sie das vermuten ist die Intransparenz der Verhandlungen der europäischen Union“ (ab 4:12m). Nach ein paar Sekunden geht Gabriel auf die Ängste der Bürger ein.

Angst ist kein schlechter Ratgeber. Angst ist ein Urinstinkt und soll uns vor Schaden bewahren. Doch schon Montesquieu – ein Vordenker der noch heute in der Demokratie verankerten Gewaltenteilung – sagte bereits zu Lebzeiten voraus, dass sich im Laufe der Jahre in der Demokratie eine Elite herausbildet, die die Entscheidungen nicht mehr im Interesse der Menschen fällt und sich damit von Ihnen entkoppelt.
Hierzu bedarf es nur einen Blick in den Vorwahlkampf in den USA. Der Erfolg von Trump ist der fleischgewordene Beweis für von der Politik zurückgelassene Bürger. Der Front National oder die AFD sind ebenso Heimat für ebenso fühlende Menschen aus allen politischen Lagern geworden.

Und von dieser immer größer werdenden Masse und vielen anderen soll nun Vertrauen existieren, das unsere europäischen Errungenschaften von einer entrückten Elite verteidigt werden?
Obendrein von einer Regierungschefin, die 2003 als Teil der Opposition die Verweigerung von Kanzler Schröder am Irak Krieg in einem Artikel der Washington Post kritisierte und damit nicht nur Anstand sondern auch diplomatische Gepflogenheiten ignorierte. Viel wichtiger aber ist der Satz aus Ihrem Artikel: „Die wichtigste Lektion deutscher Politik sei die, dass es nie wieder einen deutschen Sonderweg geben dürfe.“ Ihre Nibelungentreue zeigte sich mehr als deutlich im Umgang mit der Snowden Affäre. Weder gestattete sie dem politisch Verfolgten gemäß unserer Gesetzgebung Asyl, noch gab es echte Konsequenzen nach der NSA Affäre.

Mit dieser unkritischen Haltung gegenüber dem Verhandlungspartner, einem großen Mißtrauen gegenüber der Politik und einem intransparenten Verhandlungsmarathon ist mir die Überraschung über die Abneigung des Volkes gegenüber TTIP auf Seite der Elite vollkommen schleierhaft.

Dank Greenpeace kennen wir nun auch die Position der Amerikaner. Da sich hier Gräben tiefer als der Grand Canyon auftun, ist es angebracht die Verhandlungen einzustellen. Zumal die neuen Präsidentschaftskandidaten TTIP auch ablehnen.
Es hindert ja niemand die Autoindustrie von USA und Europa ein Abkommen zu schließen, um Prozesse und Anforderungen anzupassen. Gleiches gilt für andere Industrien. Doch ein so umfassendes Vertragswerk, das tief bis in die Grundmanifesten des europäischen Geists hineinreicht, ist spätestens seit Montag gestorben. Oder wäre der Konjunktiv angebracht, wenn sich die Elite einen Scheiß um das Volk schert, mich würde es leider nicht wundern!?

(M)ein Wochenende im Tesla

Dienstag, 22. März 2016

Das Tesla Model S

Im Rahmen eines anstehenden Vergleich der Fahrassistenzsysteme verschiedener Autohersteller fuhr ich seit Freitag morgen einen P90D. Es war bereits die zweite Gelegenheit mit dem Tesla Model S, doch diesmal umfangreicher als die kurze Probefahrt vor etwa zwei Jahren.

Tesla1Über viele Dinge darf und sollte man unterschiedlicher Meinung sein, so z.B. Design. In meinen Augen ist das Model S sehr gefällig und irgendwo zwischen Jaguar XF, Mondeo und  Mazda 6 anzusiedeln. Das gefahrene Modell war „fully loaded“ und damit ist nun ausnahmsweise nicht der Akku gemeint. Alle Ausstattungen waren dort verbaut, was den Preis auf über 130.000 EUR katapultierte. Womit wir eigentlich schon beim Thema sind. Das Fahrzeug besticht im Alltag durch vier Dinge
– Beschleunigung
– Platzangebot
– Display / Bedienkonzept
– Ruhe
Das Modell verfügt über den „Von Sinnen“ Modus und beschleunigt im Idealfall den Model S in 2,8 Sek auf 100km/h. Um die letzten Leistungsreserven auszuschöpfen müssen die Batterien vorgewärmt werden, was ich nicht einmal am Wochenende aktivierte. Der normale Antritt ist bereits außerhalb jeglicher Vorstellungskraft und einer der Mitfahrer sagte: „Das dürfte kurz vor der Ohnmacht liegen!“. Anbei ein Video von einer Mitfahrerin, die das Erlebnis sehr plastisch verarbeitet. (M)ein Wochenende mit dem Tesla Model S
Doch im Gegensatz zu vielen Listen ist hier die Beschleunigung zwar an erster Stelle genannt, doch im Alltag nur zu Vorführzwecke relevant. Mit dem Wissen, in anderen Fahrzeugen lediglich Opfer zu sehen, vergeht einem jeder Spass mit einem drolligen 3er BMW Fahrer einen Ampelspurt hinzulegen. Deswegen liest sich die Liste andersherum und „Ludicrous Mode“ belegt nur Rang 4. Dagegen ist das Platzangebot im Auto erwähnenswerter. Die Hinterbänkler haben sehr viel Platz und vorne vergrößert der fehlende Getriebetunnel zwischen Fahrer und Beifahrer nochmal das Raumgefühl. Der Kofferraum und der Vofferraum bieten ausreichend Platz für das eine oder andere Köfferchen. Eines der Höhepunkte ist das Bedienkonzept in Gestalt des riesigen Touchscreens. So als hätte man ein XXL iPad an das Armaturenbrett genagelt. Berücksichtigt man die Konzeption des Fahrzeugs als Computer auf Rädern, ist eine solche Benutzeroberfläche die logische Konsequenz. Die oft gehörte Kritik der fehlenden Rückmeldung, z.B. beim Einstellen der Klimaanlage begegnet Tesla mit einer Bedienung vom Lenkrad aus. Damit können im rechten Drittel des zentralen Tachometers die gängigen Einstellmöglichkeiten zum Verändern ausgewählt werden. Zumal der Touchscreen auch im zwei Fenstermodus betrieben werden kann, so dass es die Liederliste von meinem iPhone auf einer Fläche in der Größe eines iPad Mini anzeigt. Hier sollte man den Pause Knopf relativ einfach treffen.
Tesla2

Den Spitzenplatz erzielt die Ruhe im Fahrzeug. Ein Mitfahrer hat mich erst darauf gebracht. Natürlich besitzt jedes Elektrofahrzeug diese Eigenschaft, nur macht es sie deswegen nicht weniger beeindruckend. Rollt das Model S los, geschieht dies nahezu lautlos. Die gespenstische Ruhe wirkt sich positiv auf den Fahrer aus, denn Lärm (oder Geräusche) erzeugen Stress. Paart man diese Ruhe mit dem automatischen Umdenken beim Bewegen eines E-Autos entsteht ein ruhiger, gelassener und entspannter Fahrstil. Rasen oder Hektik werden quasi vom Antriebskonzept automatisch unterdrückt. Wie die Autopilot Funktion hier noch helfen kann, schreibe ich in Kürze in einem Artikel bei t3n.

Elektromobilität in München

Das Auto war ca 50% bei der Übergabe geladen. Die +200km Reichweite sorgten logischerweise nicht für Reichweitenangst. Aber als gut geschulter iPhone Nutzer lädt man ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Hierfür hatte ich mir bereits vor Wochen eine The New Motion Karte (TNM) kommen lassen, mit der man im ladenetz Verbund an den Säulen bezahlen kann. Für Neulinge in der E-Mobilität sei gesagt, dass hier noch einiges an Arbeit vor Deutschland liegt. Denn nach wie vor bietet jedes Stadtwerk seine eigene Abrechnungskarte an. Das ist ungefähr so, als würde ich eine Tankkarte der Shell in München bekommen, mit der ich bei den Nürnbergern von Shell nicht tanken könnte. Klingt bescheuert und das ist auch ziemlich behämmert. Ladenetz.de ist einer von zwei Anbietern, die mehrere Betreiber hinter sich vereinen und die Abrechnung sicherstellen.

Da die SWM (Münchner Stadtwerke) neben der kW Abrechnung auch eine Monatsgebühr haben möchte, bietet sich die TNM Karte an; diese ist kostenlos, funktioniert bei deren Ladepunkten in Europa gleich mit und wird deswegen von einschlägigen Foren empfohlen.

Die Parkplatzsuche mit einem E-Fahrzeug ist total simpel. Einfach eine Ladesäule ansteuern, die sind (noch) meist frei. Leider schlug mein Ladeversuch am Freitag Abend an einer SWM Säule in der Blumenstr. fehl. Auch die zweite Säule akzeptierte meine TNM Karte nicht. Nach dem Abendessen packte ich einen Freund ein, um den Autopiloten bei Nacht zu testen und zugleich einen der Tesla Supercharger zu nutzen.

Tesla3

An der OMV Irschenberg gab es nachts um 23:30 keine anderen Tesla Fahrer mit Strombedarf. Bei einer Tasse Kaffee entspannten wir uns in der Tankstelle und fuhren nach 30 Minuten mit einem geladenen Wagen wieder gen München.

Samstag morgen in der Schillerstr. akzeptierte die SWM Säule meine TNM Karte und versorgte den Wagen mit Strom, während er gratis mitten in München parkte. Nach dem Wochenende klärte sich auch das Problem: Meine Karte war nicht im System von ladenetz registriert und wurde von den modernen Ladesäulen in der Blumenstr. abgelehnt. Die ältere Ladesäule in der Schillerst. war noch ein wenig „dümmer“, was mir zu Gute kam. Irgendwo auf dem Weg von The New Motion zu ladenetz sind meine Daten verloren gegangen. Ärgerlich.

Der Sonntag war ein langer und ausgiebiger Test des Autopiloten. Bei der Rückgabe am Montag fühlte sich mein Oldtimer gleich noch ein paar Jahre älter an auf der Heimfahrt.

Porsche911Targa

Ein Wochenende mit der Apple Watch

Dienstag, 01. März 2016

Forschen und entwickeln wird bei MaibornWolff groß geschrieben. Daher gibt es technische Errungenschaften zum Ausleihen im Spielelabor. Als nun endlich die Apple Watch verfügbar ist, habe ich mich sogleich in die Liste eingetragen. Von Freitag nachmittag bis Montag abend hing die Uhr an meinem Handgelenk und fühlte sich nach anfänglichen Irritationen später dann fast natürlich an. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich vor ca. 15 Jahren das letzte Mal eine Uhr getragen habe. Praktisch mit dem Aufkommen von Mobiltelefonen sehe ich keinen Sinn mehr in einer Uhr.

Smartwatch – kein überzeugendes Konzept

Meine Vorurteile haben sich im Grunde bestätigt. Der Mehrwert einer Uhr als erweiterte Anzeige meines Smartphones ist sehr begrenzt. Ich behaupte, dass es derzeit kein vernünftiges Argument für eine Smartwatch gibt; bis auf das eine Argument, dass man eine tragen möchte.
Natürlich ist die dezente Benachrichtigung über einen aktuellen Status per Vibration am Arm angenehm und der schnelle Blick auf die Uhr bietet z.B. den Text der SMS oder den jüngsten Retweet von Twitter. Allerdings ist die Interaktion mit dieser Information stark limitiert, denn die Dateneingabe gestaltet sich umständlich. Doch welchen Vorteil hat dann eine Smartwatch, wenn mir jemand eine SMS schreibt und ich das weiß, aber z.B. beim Abendbrot eben doch nicht antworten kann? Keinen. Letztlich ist es die Droge mit dem Extrakick für die Smartphone-abhängigen, die sofort über alles Bescheid wissen müssen und so den Pawlowschen Schwanz mit dem Hund wedeln lassen!

Rühmliche Ausnahmen sind hier Kalendereinträge, Aktivitätsaufforderungen oder die zwei Sekunden Ruhm an der Kinokasse, wenn man lässig die Kinotickets am Handgelenk trägt. Diese Vorteile rechtfertigen in meinen Augen aber nicht mal die Investition in eine Pebble Watch. In der Zwischenzeit fröne ich weiterhin der “Nicht stören” Funktion meines iPhones ab 21 Uhr und arbeite an meinem Speichelfluss, wenn es in der Hosentasche vibriert.

Apple Watch – intuitiv und nahezu perfekt umgesetzt

Das Gerät an sich ist wunderschön im Design, perfekt zusammengebaut und trägt sich sehr angenehm. Zudem ist die Zusammenarbeit mit dem iPhone nahtlos und endlich mal in gewohnter Apple Manier ausgeführt. Beim Koppeln tauschen sich die Geräte offensichtlich aus und es tauchen auf der Apple Watch die Programme auf, die ich auch auf meinem Smartphone installiert habe.
Die Nutzerführung ist intuitiv. Ich hatte überhaupt keine Ahnung über die Funktionsweise der Uhr und nach 3 Minuten den Dreh mit den unterschiedlichen Menüebenen raus. Hier hat Apple gute Arbeit geleistet. Ein sehr gut gibt es von mir nicht, weil die unterschiedliche Druckempfindlichkeit der Uhr nicht immer den gewünschten Effekt erzielt.

Zu guter Letzt bleibt natürlich noch das Thema Batterie. Artig, wie es sich für einen Smartwatch Besitzer gehört, habe ich auf jede Vibration reagiert und mir den Grund anzeigen lassen. Das eine oder andere Mal habe ich auch (versucht zu) interagieren. Inklusive einer innerstädtischen Navigation, mehreren Vorführbewegungen und 2x 5km Läufen habe ich die Uhr 2x aufgeladen und legte sie heute abend mit 80% Ladeleistung wieder zurück ins Spielelabor. Kurze Rede, langer Sinn: wer ein Smartphone hat, sollte mit dieser Akkuleistung klarkommen.

Bitcoin und die Blockchain

Dienstag, 23. Februar 2016

Entstehungsgeschichte

Eine Person oder eine Gruppe mit dem Namen Satoshi Nakamoto erfand 2008 die Technik hinter Bitcoin (mehr dazu hier). Der Kern der Erfindung ist ein Zahlungsmittel und Buchungssystem, daß

  • transparent
  • dezentral
  • sicher
  • nicht inflationär
  • und anonym

ist. Die Kombination aus Bitcoin (Zahlungsmittel) und Blockchain (Buchungssystem oder Kassenbuch) stellt laut Netscape-Gründer und Starinvestor Marc Andreessen die dritte zentrale Tech-Entwicklung dar, die sämtliche Rahmenbedingungen grundlegend verändert hat: 1975 der PC, 1993 das Internet und 2008 der Bitcoin!

In diesem System sind beide miteinander verwoben und weder der Bitcoin noch die Blockchain können eigenständig überleben – oder weniger drastisch gesagt funktionieren.

Blockchain

Die Blockchain ist eine durch Verschlüsselung geschützte, öffentliche geteilte Datenbank (Kassenbuch, Journal, o.ä.) mit Einträgen, die sich unendlich weiter fortschreiben, ohne das alte Einträge geändert oder gelöscht werden können.
Das fantastische an der Software ist, dass ein Netzwerk von Computern gemeinsam dieses eine öffentliche Kassenbuch über das Internet teilt und synchronisiert. Denn dort sind alle Transaktionen gebucht und jeder Teilnehmer am Netzwerk besitzt eine Kopie des Kassenbuchs.
Dank komplizierter mathematischer Prinzipien einigen sich alle beteiligten Computer permanent und völlig autonom auf den korrekten Zwischenstand des Kassenbuchs. Das bedeutet, jede Transaktion ist transparent (also öffentlich zugänglich) und die Rechner einigen sich darauf, dass die jeweilige Transaktion zu einem bestimmten Zeitpunkt stattgefunden hat. So, als wäre bei jeder Transaktion ein Notar anwesend, der die Richtigkeit der Daten verifiziert. Wofür also bisher Institutionen wie Banken notwendig waren, die die Rechtmäßigkeit der Zahlung bestätigten, erledigt dies das dezentrales Netzwerk eigenständig.
Die neuen Transaktionen werden in sogenannten Blocks gebündelt und an den vorherigen Block angehängt. Erneut kommen Verschlüsselungstechniken zum Einsatz, die die Unversehrtheit und Richtigkeit der Daten von Block zu Block sicherstellen und eine anschließende Bearbeitung der Transaktionen verhindert.

Somit ist gewährleistet, dass jeder Zugang zu einer gemeinsamen, einzigen und sicheren Informationsquelle hat. Datenbank Entwickler wissen um die Probleme, dezentrale Daten synchron zu halten. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass im Falle von Bitcoin/ Blockchain Teilnehmer im Netzwerk sind, die man nicht kennt. Dies ist eine weitere technische Revolution.

Derzeit ist das Wort Blockchain in aller Munde. Dabei werden verschiedene Prinzipien miteinander vermischt und das Verständnis zusätzlich erschwert. Man unterscheidet prinzipiell zwei Typen von Blockchains, die in der Art und Weise wie sie zu der Übereinstimmung der Richtigkeit der Daten gelangen deutlich unterschiedlich arbeiten:

Teilnahme ohne Zustimmung

Bitcoin ist open source, also offen und zugänglich für jedermann. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich die Teilnehmer im Netzwerk, sowie auch die teilnehmenden Computer gegenseitig nicht kennen und demnach misstrauen.
Die Integrität einer solchen Blockchain wird über einen rechen-intensiven Prozess “proof of work” sichergestellt. Die dafür notwendige Rechenleistung ist enorm und steigt ständig. Die darauf spezialisierten Computer werden auch “miner” genannt. Die miner halten das Netzwerk am Laufen und erhalten als Belohnung für die Aufrechterhaltung der Integrität (“proof of work”) Bitcoins. Hier zeigt sich mehr als deutlich, dass Bitcoins und Blockchain nicht getrennt werden können.

Kleine Randbemerkung: Beim aktuellen Kurs von ca 420$/ Bitcoin können zu deutschen Stromkosten Bitcoins nicht mehr gewinnbringend geschürft werden, abgesehen davon, dass das Gerät vermutlich im Winter als Heizung für eine 100qm Wohnung dienen kann.

Teilnahme nur mit Zustimmung

Darunter fallen viele Projekte von Banken, wie z.B. R3, deren Blockchains privat sind und sich die Teilnehmer untereinander kennen. In der Regel gibt es auch gegenseitige Verträge und Verpflichtungen. Weil sich die Teilnehmer in diesem Netzwerk kennen, bedarf es nicht dem Prozess “proof of work” und auch keiner Entschädigung für die Anstrengungen, das System am Laufen zu halten.

Bitcoin

Der Bitcoin entsteht also als Ausgleichszahlung für die “miner”. Ein Bitcoin läßt sich in 100 Mio Einheiten teilen und die zu schürfende Menge an Bitcoins ist auf 21 Mio Stück begrenzt. Deswegen gilt der Bitcoin als nicht inflationär und steht unmittelbar im Zusammenhang mit der Finanzkrise und den Exzessen der (Noten-) Banken. Er unterbindet die stetige Steigerung der Geldmenge, wie es bei den FIAT Währungen durch die regulären Banken mittels Kreditvergabe (Geld in Form der Zinsen wird aus dem Nichts erschaffen), sowie der Druckerpresse der Notenbanken (FED, EZB usw.) geschieht. Dabei ist es egal, ob ein Bitcoin einen $ Wert, einen Unternehmensanteil, eine kW Stunde Strom oder eine Geburtsurkunde repräsentiert.

Die bei der Transaktion anfallenden Gebühren betragen nur etwa 1 Prozent! Das ist weit weniger als bei Kreditkartenzahlungen (2-3 %) oder beim grenzüberschreitenden Geldtransfer (bis zu 10%) und eröffnet die Möglichkeit von Micropayments, die insbesondere für die Nutzung von Medienprodukten wie Zeitungsartikel oder Musiktitel in der Diskussion waren. Dabei ist die Zahlung mit Bitcoins anonym, denn die Blockchain kennt nur Kontonummern (auch “wallets” genannt), nicht jedoch die Eigentümer der Wallets.
Die Anonymität ist vielen Politikern ein Dorn im Auge, weil dies kriminelles Handeln begünstigt. Folgt man dieser Argumentation, müsste allen voran der US$ verboten werden, denn mit ihm werden weltweit die meisten Drogen und Waffen gekauft, gefolgt vom Euro.
Ledger Wallet protects your bitcoins

In meinem nächsten Beitrag ich widme ich Anwendungsgebieten für Bitcoin bzw. Blockchain. Anbei noch ein anschauliches Video zur oben beschriebenen Thematik (in englischer Sprache).

Subventionen für Elektroautos – Argumente für alle und Roland Tichy

Montag, 08. Februar 2016

Am Wochenende erschien auf Tichys Einblick ein Plädoyer vom Chefredakteur höchstpersönlich zum Thema Subventionen für Elektrofahrzeuge in der Bundesrepublik. Als regelmäßiger Leser dieser Nachrichtenseite erschrak ich ob der polemischen und populistischen Aussagen und setzte auf Twitter folgende Tweets ab.

Twittern mit Tichy

Daraufhin entspann sich innerhalb weniger Minuten auf Twitter eine Diskussion um die Definition von „Subventionen“ und dass der deutlich niedriger besteuerte Diesel keine Subvention wäre. Wobei das Umweltbundesamt hierzu eine relativ eindeutige Aussage fällte (Umweltschädliche Subventionen Seite 8ff). Das Argument den Bürger für eine umweltfreundlichere Technik bluten zu lassen, stieß auf Unverständnis. Dabei ist das absolut nichts neues. Schon 1984 subventionierte der Staat Autos mit Katalysator, noch heute werden regenerative Energien unterstützt – leider aber viel zu lange die Braunkohle (Standortpolitik).
Die Diskussion rutschte im Grunde sofort in eine Grundsatzdebatte um vom Staat erhobene Steuern ab und eigentlich wartete ich noch auf den Spruch „Freie Fahrt für freie Bürger“. Ich war kurz geneigt noch das Wort „Tempolimit“ in einen Tweet einzubauen, sah aber davon ab. Schließlich war Sonntag und ich hatte ausreichend anderweitige Unterhaltung!

Dennoch möchte ich zu einigen Abschnitten des Texts zumindest eine andere Sichtweise offerieren und würde mich freuen, wenn Herr Tichy sich diese Argumente zumindest durchliest. Letztlich ist er ein Verfechter für eine differenzierte Sichtweise, jenseits der Schwarz/ Weiß Malerei.

Elektro-Autos sind das neue Spielzeug der Superreichen – und jetzt will Wirtschaftsminister Gabriel unbedingt E-Autos fördern: Möglichst viele sollen eines fahren.

Elektro Autos sind nicht ausschließlich etwas für Superreiche – wobei Porsche Fahrer schon lange nicht mehr superreich sind, sondern eher reich. Das Kraftfahrtbundesamt führt 8522 Elektrofahrzeuge in 2014, wobei 9,5% (815 Stück) auf das Tesla Model S  entfallen. Der 8. Platz in der Statistik ist beeindruckend, unter 10% Marktanteil widerspricht jedoch einem Vergnügen für Superreiche.
Hier verpasste Herr Tichy die Chance den eigentlichen Fehler in der Subvention anzuprangern: Die Unterstützung von Plug-in Hybriden. Also Autos wie der Porsche Cayenne, der dank einer Batterie gerade mal 30-40km elektrisch fährt. Die krude Berechnung des Gesamtverbrauchs hilft, dass das Fahrzeug völlig weltfremde Verbrauchswerte erreicht. Dies dient am Ende dem Ziel, den strengen EU Grenzwerten von 95mg/ km ab 2020 zu entsprechen. Und die Deutschen Hersteller brauchen unbedingt diesen Trick, denn sie haben geschlafen! Gabriel macht also wieder mal kurzfristige Standortpolitik und vergisst, dass die Globalisierung auch ohne uns abläuft.

weil der nicht für jeden Anlass das passende  Autos in der Garage hat: Strom für nah, Diesel für weit, E-Auto zum Kronberger Golfclub.

Wir veranstalten hier das verrückteste Experiment, das je statt gefunden hat. Wieviel Treibhausgase verträgt die Umwelt, bis sie kollabiert? Herr Tichy ist sicher kein Klimawandelzweifler, da bin ich sicher. Doch Wandel bringt meist auch Veränderung.
Mit seinem Argument zur fehlenden Alltagstauglichkeit tappt er in dieselbe Falle wie die Mehrheit. Die ø tägliche Wegstrecke eines Deutschen liegt bei unter 40km und das schafft sogar fast der Porsche Cayenne, würde er entsprechend behutsam gefahren. Mir ist kein freiverkäufliches Elektroauto bekannt, dass eine Reichweite unter 50km aufweist. Die Pioniere BMW und Renault bieten zudem für ihre Elektroautokunden ein zukunftsträchtiges Mobilitätskonzept an. Als Käufer eines i3 oder Zoe bekommt man 14 Tage / Jahr Zugriff auf einen Benziner, womit die Fahrt an die Nordsee oder Rimini gesichert ist.

Die Stromer beschleunigen zwar rasant, fahren leise und stoßen in der Stadt keine Schadstoffe aus – das machen nur die weit entfernten Kraftwerke, aus denen der Strom kommt. Schmutz ist eben eine Frage des Standorts, und der Strom kommt ja bekanntlich aus der Steckdose.

Der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors ist deutlich schlechter als der eines Elektromotor. Der Wirkungsgrad eines Kraftwerks ist deutliche höher, als der eines Verbrennungsmotors. Dieser Dreisatz belegt also, dass das Elektroauto vorne liegt, auch wenn der Strom aus dem Gaskraftwerk kommt.

Solange Deutschland allerdings die Grundlast der Energieversorgung über Braunkohleverstromung erzeugt, so Berechnungen von Renault, ist die Öko-Bilanz der E-Autos insgesamt negativ.

Im englischen gibt es den Begriff „source agnostic“, d.h. einem Elektroauto ist es herzlich egal, ob der Strom aus einem Braunkohle-, Gas- oder Solarkraftwerk stammt. Weltweit nehmen die Solar- und Windkraftkapazitäten rasend schnell zu. Man darf also bei einem Autoleben von 6-8 Jahren annehmen, dass der Strommix bald deutlich besser wird.
Tja, bleibt der Verbrenner. Einmal Diesel, immer Diesel. Spiel, Satz und Sieg für das Elektroauto.

Denn wegen der geringen Batterieleistung fahren Stromer nur kurze Strecken.

Nur weil Herr Tichy es nochmal falsch wiederholt, wird es nicht wahrer. Dieses Argument wird leider von der Presse seit Jahren geschürt und gerade den Deutschen eingebleut, damit die die technologisch veralteten Verbrennungsmotoren kaufen. Ein Tesla hat 400km, Renault Zoe 240km Reichweite. Folglich komme ich im Schnitt mit der Zoe eine Woche ohne Tanken aus.
Bevor jetzt hier das Argument der „geschönten“ Reichweitenwerte genutzt wird. Die werden ebenso gemessen wie die Verbrauchsangaben der Verbrenner. Also entweder wir nutzen diese Angaben, oder verteufeln die Verbrenner noch mehr ob des Mehrverbrauchs.

die Batterie rund 5.000 €. Nach drei bis 6 Jahren ist sie kaputt

Die Findemaschine Google bietet hier einfache Antworten: Tesla bietet 8 Jahre Garantie auf die Batterie und Renault gibt In Norwegen und UK eine Garantie von 5 Jahre bzw. 100.000km. Rechnet man die Einsparungen beim Tanken gegen die 5000€, so rechnet sich das trotzdem.

die Batterie bleibt Herzstück und Engpass. Billigere und bessere sind nicht in Sicht.

Von 2007 bis 2014 fiel der Preis pro KW 1000$ auf 410$, wobei führende Hersteller damals bereits Werte um 300$ erreichten. Dieser Preis wurde vor wenigen Jahren von Fachmagazinen für das Jahr 2020 vorhergesagt. Die Preise sinken also schneller als erwartet – wie so oft in der Hightech Branche. Die magische Grenze liegt bei 100-150$ pro KW, denn dann liegt das E-Auto mit dem Diesel gleichauf. (interessante Grafik plus Artikel).

Zwar schenken auch andere Länder wie Frankreich E-Auto-Käufern bares Geld; in Norwegen sogar 12.000 €. Aber auch dort sind  Stromer kein Renner.

Seufz. Diese Meldung ging um die Welt, dass in Norwegen das Model S häufiger gerkauft wurde, als der VW Golf.

Im übrigen verdient die Auto-Industrie prächtig, allein VW so um die 8 Milliarden. Wozu da Subventionen?

Wie oben bereits erwähnt, verpasste Roland Tichy die Chance das Thema Subventionen richtig zu beleuchten. Denn diese greifen nur, wenn die Anreize dem eigentlichem Ziel dienen.
Ich bin für Subventionen für reine Elektroautos, finanziert durch die gleichzeitige Beseitigung des Steuervorteils für Diesel PKW. Optional einem Verbot für die Einfahrt von Diesel PKW bei zu hoher Feinstaubbelastung in deutsche Städte (siehe Madrid mit generellem Verbot ab 2020). Dann würden nämlich VW, Mercedes und BMW ihre Milliarden Entwicklungskosten richtig kanalisieren und nicht nur herumwursteln. Machen die nämlich weiter so, retten wir Steuerzahler bald nicht nur deutsche Banken.

(siehe Artikel von mir hier auf dem Blog „China entscheidet Schicksal der dt Autoindustrie“ und „11 Mio Gründe für eine elektrische Zukunft“ sowie meinen Beitrag auf t3n „Warum das Auto der Zukunft das Aus für VW & Co bedeuten könnte„)

Meine Veröffentlichungen aus 2015

Dienstag, 12. Januar 2016

Fintech

Der Höhepunkt im Jahr 2015 war eindeutig das Interview mit Pro7 „Galileo“ zu opentabs, dem von Sebastian Heise, Nicolas Plögert und mir in 2012 gegründeten Startup im letzten Sommer.
Das Video gibt es hier bei Pro7 zu sehen.

Im IT Finanzmagazin beschäftigte ich mit dem schweizerischen mobilen Payment Anbieter „Paymit“ und der Diversifizierung von Square vom POS Kartenlesegerät Hersteller zum Kreditgeber dank ausgeklügelter Big Data Analyse.

Automobilwirtschaft

Als ehemaliger Audianer haben mich die Autobauer nie wirklich losgelassen. Auch wenn ich nie wirklich Benzin im Blut hatte, ist das Fortbewegungsmittel hoch emotional. Doch den Funken ließ tatsächlich ein Unternehmen aus USA überspringen: Tesla. Ein Startup, dass die größte Industrie der Welt herausfordert und die Elektromobilität salonfähig machte.

Noch vor #dieselgate sah ich vor allem die deutschen – allen voran Volkswagen – Hersteller auf Abwegen oder am Ende des Lebenszyklus. Die digitalen Pioniere von t3n gaben meinen Thesen zur Zukunft des Autos Raum und zur CES vor wenigen Tagen ging GM exakt in die skizzierte Richtung mit der Investition von 500Mo $ in den Taxidienst Lyft. Einerseits freue ich mich natürlich richtig zu liegen, andererseits steigert dies nur meine Sorgen um den Arbeitgeber #1 in Deutschland.
Ebenfalls auf t3n erschien ein Resümee auf #dieselgate und das wir eigentlich alle Volkswagen dankbar sein müssen. Denn nichts half mehr, den Diesel (und Benziner) in den Vorruhestand zu schicken, als die peinlichen Betrügereien des zweitgrößten Automobilkonzern der Welt. Die Ankündigung von 20 Elektromodellen auf der IAA war vermutlich schon ein Vorbote aus der Entwicklungsabteilung des Konzerns, dass man die Physik eben nicht mehr weiter überlisten kann, außer mit Software.

Silvesternacht 2015/16

Samstag, 09. Januar 2016

Der letzte Jahreswechsel wird allen dank 2 einschneidenden Ereignissen noch lange in Erinnerung bleiben. Zum einen die Terrorwarnung in München und zum anderen die Ereignisse auf der Domplatte in Köln und anderen Städten. Beides beunruhigende Entwicklungen mit aber sehr unterschiedlichem Echo in den Medien.

München

Die #Terrorwarnung in München erreicht die Medien um 22.37 Uhr, 31.12.2015 (tz online) und sorgt in der Landeshauptstadt für Verwirrung und auch Angst. Die Polizei, als staatliches Organ für die öffentliche Sicherheit verantwortlich, reagiert auf die ihr zur Verfügung gestellten Informationen vorbildlich. Die Münchner Polizei twittert gemäß dem Tourismus Slogan „Weltstadt mit Herz“ ab 22:40 Uhr mehrsprachig (polnisch, englisch, französisch, italienisch und türkisch) mit Hinweisen zur gemeldeten Gefahrenlage (Merkur online). Die Räumung der Bahnhöfe und die Entwarnung im Verlauf des frühen Neujahrsmorgen dürften allen bekannt sein.
Spätestens am 01.01.16 läuft die Medienmaschine auf Hochtouren und die Meldungen und Informationen überschlagen sich. Die ersten Bilder der Sondereinsatzeinheiten am Hbf tauchen auf und erinnern mehr an die Bundeswehr als an Polizisten! In der Pressekonferenz am morgen des Neujahrstag erfährt die Öffentlichkeit, dass nach 5-7 Personen gefahndet wird, deren Namen teilweise bekannt sind. Die Aussage von Polizeipräsident Andrä „Ob es die Personen tatsächlich gibt, wissen wir nicht“ läßt erstmals aufhorchen. Der Innenminister #DoItLikedeMaziere rechtfertigt den Einsatz und attestiert den bayrischen Behörden in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt zu haben (Zeit online). Auf einmal sind Aussagen, die die Bevölkerung verunsichern völlig in Ordnung. Das Lob des Innenministers und der Gewerkschaft der Polizei ist sachlich richtig, doch wird die Faktenlage im Laufe der kommenden Tage immer verworrener.

Seit gestern (08.01.16) um 19:09 Uhr bekommt die Terrorwarnung von Silvester in München einen bitteren Beigeschmack. Spiegel online berichtet, die zahlreichen Geheimdienste (Deutsch, Französisch und Amerikanisch) setzten alle auf eine Quelle, die sich für die Informationen bezahlen ließ. Das FBI stellte die Zusammenarbeit mit dem Iraker letztlich aufgrund seiner Honorarforderungen ein.
Die Geschichte beginnt bereits am 23.12.15 auf einer Polizeiwache in NRW, wo ein Iraker auftaucht und von einem Telefonat mit seinem Bruder zu Hause berichtet. Teil der Unterhaltung ist eine Anschlagsdrohung in München. Darauf wird der Staatsschutz aktiv und telefoniert mit dem Bruder im Irak und erfährt namentlich von  5-7 Personen, die in einem Hotel in München bereits den Anschlag vorbereiten. An Heilig Abend schaltet sich der BND ein. Die Überprüfung der Namen ergibt nichts, ebenso wie die Prüfung des Hotels am 30.12.2015. Parallel meldet ein US Dienst diegleiche Geschichte und schließlich führt der identische Hinweis an Silvester von unseren französischen Nachbarn letztlich zum Einsatz (heise online).

Die Krönung dieser Vorgänge ist die Schlussfolgerung von Volker Kader (CSU) und de Maziere (Innenminister) die Zusammenarbeit mit den ausländischen Partnerdiensten zu vertiefen, um in Zukunft besser gewappnet zu sein. Die schlampige Arbeit der Geheimdienste unserer Verbündeten ist demnach ein Grund, die Zusammenarbeit für einen besseren Informationsaustausch zu gewährleisten? Dieser Argumentation kann man vermutlich nur folgen, wenn man jahrelang Politiker ist. Jeder andere Mensch sollte spätestens jetzt ein tief verwurzeltes Misstrauen entwickeln, was die Politik mit all diesen Warnungen erreichen will. Für mich ist hier „Angst und Schrecken“ das Ziel, also die Verunsicherung der Massen.
Eine hoch theoretische Gefahr eines Terroranschlags wird über Tage in die Köpfe der Bürger gehämmert und Angst gesät. Zum Einen gewinnt hier der ISIS, der vermutlich nachts vor Lachen nicht einschlafen kann. Zum Anderen wird völlig irrational eine Gefahr hoch stilisiert, die noch keinen deutschen Bürger das Leben kostete. Ganz im Gegenteil von:

  • 3300 Tote durch Passivrauchen (2012)
  • 3450 Tote im Strassenverkehr (2015)
  • 19000 Tote wegen mangelnder Hygenie oder fehlender Spezialisierung in Kliniken (2013)
  • 73730 Tote durch Alkohol (2015)
  • 140000 Tote durch Rauchen (2015)

Wo sind hier die Minister aus Bund und Ländern, die sich vor jedes Mikrofon werfen und für die Sicherheit der Landsleute (z.B. uns Nichtraucher) eine Lanze brechen? Und für diejenigen, die der Argumentation folgen „lieber einmal zuviel gewarnt“ sei gesagt, dass es bei Menschen eine Abstumpfung gibt und dank des Misstrauen in der Bevölkerung irgendwann solche Warnungen nicht mehr ernstgenommen werden (Raucher z.B.). Letztlich müssen wir aber auch mit Terror leben, denn die, denen wir unsere westliche Werte beibringen, schenken uns einfach selbigen zurück.

Köln

Ganz anders entwickelte sich die Nachrichtenlage in Köln. Am 01.01.2016 meldet die Polizei keine besonderen Vorkommnisse für die Silvesternacht. (shz online). Erst Tage später greifen große Tageszeitungen das Thema auf und die Polizei sieht sich genötigt, eine aktualisierte Pressemeldung zu den Vorgängen auf der Domplatte zu veröffentlichen.

Hinsichtlich der abscheulichen Vorgängen in Köln – und auch anderswo – ist im Grunde nur zu sagen, dass wir bei Aufklärung und Verurteilung dem Rechtsstaat vertrauen müssen. Doch durch die Informationen der letzten 24 Stunden nimmt das Vertrauen in die Exekutive und die Medien weiter großen Schaden. Dies beschädigt auch das Vertrauen in die Judikative, wenn man sich den Durchgriff auf andere Organe ansieht (Exkurs Gewaltenteilung).
Bereits am Neujahrsmorgen lagen der Polizei offenbar konkrete Informationen zu den Vorgängen am Dom in Köln vor und wer hier maßgeblich Täter war. Der Dienstgruppenleiter verschwieg dann im Bericht die Nennung der Herkunft der Täter mit dem Argument, diese Information sei „politisch heikel“ (oder in Innenministersprech: könnte Teile der Bevölkerung verunsichern). 71 festgestellte Personalien, 11 Festnahmen und 32 Strafanzeigen (n-tv.de) sind offenbar nicht ausreichend, um die im Pressekodex des Deutschen Presserat definierte Ausnahme für die Nennung der Religion oder Herkunft der Täter zu erfüllen. Die gilt als gegeben,  wenn die Herkunft der Täter im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat stehe. (taz.de). Dabei erzählt der Widerspruch der diensthabenden Polizisten zur offiziellen Stellungnahme Ihrer Führung zu der Herkunft der Täter eine andere Geschichte. Laut den Polizisten handelte es sich in einer Minderheit um Nordafrikaner, sondern mehrheitlich um Syrer. Diese Personen ging es vorrangig um sexuelles Amüsement und nachrangig um Diebstahl.
Die politische Obrigkeit hat aber nicht nur bei der Polizei einen guten Durchgriff, sondern auch das Staatsfernsehen gut unter Kontrolle. Der Kriminologe und ehemalige Justizminister Niedersachens, Christian Pfeiffer, wurde von einem ZDF Redakteur vor der Sendung darauf hingewiesen, dass die bloße Erwähnung von Flüchtlingen als Täter für den sofortigen Abbruch der Sendung führt. (FAZ online). Da ist die Entschuldigung des ZDF über das lange Schweigen zu den Vorgängen in Köln im Nachrichtenmagazin „heute“ schon fast Satire. (welt.de). Gleichzeitig werden Experten und Polizeierkenntnisse seitens des ZDF im Morgenmagazin mit den Adjektiven wahrscheinlich, unsicher und vorläufig diskreditiert, während Anne Wizorek ihre These von 200 Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest ungeprüft heraus posaunen darf. (FAZ online)!

Interessant ist auch ein Interview mit Frau Merkel aus 2011, in dem Sie von ihren Bürgern erwartet, höhere Gewalt von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu akzeptieren. (zeitliche Einordnung ohne Prüfung übernommen).

Fazit

Ein leitender Beamte unterdrückt sachdienliche Informationen aufgrund von politischem Druck und hilft damit der Beurlaubung des Polizeipräsidenten W. Albers. Was kann dieser schließlich dafür, wenn ihm Informationen vorenthalten werden? Die Presse, allen voran das ÖRR, verfolgt eine Agenda und verpasst Experten Maulkörbe. Böswillige Verschwörungstheoretiker sprechen hier vielleicht bereits von Zensur. Ich hingegen hinterfrage das Gebot der Staatsferne und der Unabhängigkeit des ÖRR. Es ist nicht das erste Mal, dass die Unabhängigkeit mehr als gefährdet ist. Der #Aufschrei des Feuilleton zum #Lügenpresse Vorwurf darf also getrost unter betroffene Hunde abgeheftet werden.

Unterm Strich bleibt ein seltsames Gefühl. Einerseits ist Deutschland angeblich akut vom Terror bedroht und auf der anderen Seiten nehmen wir diejenigen auf, die von eben diesem Terror fliehen. All das klingt nach einem Problem des Innern, doch ist es nicht vielmehr eines der Außenpolitik? Kann das Modell der Einmischung des Westens und die Demokratisierung anderer Länder nicht als gescheitert und zugleich als Auslöser für Flüchtlingsströme und Hass auf die westliche Welt gelten?
Vielleicht sollten wir einmal gründlich und sachlich die Ursachen diskutieren, statt Schattenboxen mit den darausfolgenden Konsequenzen zu machen!

In China wird die Zukunft der deutschen Autoindustrie entscheiden

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Lange war der deutsche Markt für Volkswagen und andere heimische Hersteller gleichzeitig größter Absatzmarkt. Diese Position hat nun schon seit längeren China inne. Ein riesiges Land mit noch größeren Umweltproblemen. Die Luftqualität in China’s Städten ist miserabel, wo in über 90% der 190 Städte die Grenzwerte regelmäßig gerissen werden. Hier sticht vor allem der gesundheitlich bedenkliche Feinstaub hervor, für den die WHO einen Grenzwert von 20 (Index) als unbedenklich festgelegt hat. Im Januar 2015 lag der Index für Peking im Schnitt bei 200 und im absoluten Hoch bei sage und schreibe 546!

Verantwortlich für den Ausstoß des giftigen Feinstaubs sind Kraftwerke, Industrieanlagen und der rasant wachsende Individualverkehr. Die Regierung hat das Problem erkannt und ist weltweit zu einem der größten Investoren auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien geworden. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil aus regenerativen Quellen von 17% auf 21% (Vergleich zu D: 25,8% in 2014) steigen. Bereits im Jahr 2013 schrieb das Land Geschichte mit dem Aufbau von 12 GW Leistung aus Solaranlagen, die größte jemals in einem Jahr errichtete Kapazität, in 2014 erfolgte nochmal soviel.
Offensichtlich hat China erkannt, dass der Energiehunger nicht durch herkömmliche Kraftwerke gestillt werden kann, weil dies zu Lasten der Gesundheit und letztlich des Wohlstands des Landes geht. Die gezielten Bemühungen hier gegenzusteuern zeigen sich auch in der errichteten Leistung von etwa 57GW aus erneuerbaren Quellen und 39,7KW aus Kohlekraftwerken für das Jahr 2013.

Das Unternehmen BYD – build your dreams – ist ein Vorreiter in der Elektrifizierung von Fahrzeugen. Egal ob Autos oder Busse, das Unternehmen bietet eine Reihe von unterschiedlichen Fahrzeugen an und ist gleichzeitig ein großer Batterieproduzent. Das Joint Venture mit Mercedes brachte einen reinen Elektrowagen hervor: den Denza. Die dafür nötigen Investitionen werden seit 2005 massiv vom Staat  gefördert und BYD soll nach dem Wunsch der kommunistischen Führung weltweit der erfolgreichste Elektroautohersteller werden. Warren Buffet glaubt daran und ist mit über 9% seit 2008 am Unternehmen beteiligt.
Neben BYD gibt es noch zahlreiche andere Hersteller im Bereich der e-Mobilität. So erfreuen sich die Elektroroller einer großen Fangemeinde in China und deren Akkus stammen von Phylion, einem dieser „namenlosen“ Unternehmen aus dem Reich der Mitte. Doch während wir hier in Europa hauptsächlich fasziniert über den großen Teich nach Kalifornien auf Tesla und dessen illustren CEO Elon Musk schauen, bereitet sich der größte Automobilmarkt auf die Elektrifizierung vor.

Die Gefahr aus China hat zwei Komponenten. Zum Einen ist der Markt gerade für die deutschen Hersteller extrem wichtig und könnte durch eine Entscheidung der Partei über Nacht für Verbrenner geschlossen werden. Zum Anderen reift hier eine Kompetenz heran, die massentaugliche Elektromobilität entwickelt und schließlich nicht nur in China verkaufen kann.

Die technologische Insel der Glückseligen in Deutschland und Europa findet sonst ein jähes Ende durch die politisch motivierte und stark wettbewerbsverzerrende Förderung der Elektromobilität in Asien

Jan Traenckner Link

Verarbeitet man diese Informationen und zieht die eine oder andere Schlussfolgerung, dann verwundert es umso mehr, dass es ein #dieselgate brauchte, um Europa aus dem feinstaubvernebelten (oder besser vernagelten) Dornröschenschlaf zu reißen. Doch selbst jetzt hat die deutsche Regierung die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt und hält sich mit drastischen Massnahmen zurück, um Volkswagen zu schützen. Anscheinend reichen 11 Mio. Betrugsfälle noch nicht aus, um die Förderung des Diesel einzustellen und diese stattdessen der Elektromobilität zukommen zu lassen (siehe hier auch meinen Blog Beitrag: 11 Mio Gründe für eine elektrische Zukunft).

Die Ankündigung von Volkswagen bis zu 20 elektrifizierte Modelle zu entwickeln ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als PR Gerassel. Denn meines Wissens ist man (noch) nicht gewillt reine E-Autos wie den Renault Zoe, Tesla Model X / S oder Nissan Leaf zu bauen. Selbst jetzt noch hält man sich Optionen für andere Antriebsstränge offen, wohl wissend, dass der Bau eines E-Autos nicht mit dem eines Verbrenners zu vergleichen ist. Grandiose Vorteile wie Fahrdynamik oder 2 Kofferräume lassen sich schwer auf einer Plattform vereinigen.
Vielleicht ist in diesem Zusammenhang die Idee von Investor  der richtige Weg. In einem Artikel für den Guardian schlägt er vor, VW zum Bau elektrischer Modelle binnen 5 Jahre zu zwingen und ihnen die Strafe zu erlassen. Die geschätzten 10 Mrd. $ könnte Volkswagen in die Entwicklung von Stromern stecken und ein 3x besseres Auto als Tesla bauen – die haben nämlich ca. 3 Mrd $ gebraucht. Damit wäre allen geholfen:

  • der Umwelt, wegen weniger Treibhausgasen
  • Volkswagen, wegen zukunftsträchtiger Produkte für den (chinesischen) Markt
  • den Kunden, für mehr Auswahl in EV Bereich
  • dem deutschen Staat, weil es auch zukünftig noch Arbeitsplätze gibt

Vielleicht schafft VW dann auch, was Tesla schaffte. Nämlich dass Fans die PR und das Marketing übernehmen. Anbei der in meinen Augen beste Werbefilm für Tesla: „We were the ones who changed the world.

11 Millionen Gründe für eine elektrische Zukunft

Samstag, 03. Oktober 2015

Mit dem laufenden Skandal um manipulierte Abgaseinstellungen bei Volkswagen drängt sich die Frage auf, ob Diesel wirklich die Antwort auf den Klimawandel ist. Gleichzeitig bietet sich für die deutsche Automobilindustrie eine einmalige Gelegenheit reinen Tisch für ihren Irrweg Diesel einzugestehen und alternative Antriebskonzepte mit gleicher Vehemenz zu protegieren, wie sie es einst für den Diesel tat.

Diesel und Benzin – fossile Brennstoffe

Die Grundlage für Diesel und Benzin ist Erdöl, ein fossiler und vielseitiger Rohstoff. Aus ihm werden Kleidung, Plastiktüten , CDs, Medikamente und Nahrungsmittel hergestellt. Der größte Teil des Erdöls aber findet Verwendung als Fahrzeugtreibstoff. Bevor ein Auto damit fahren kann, bedarf es allerdings zuerst der Umwandlung von Öl zu Diesel oder Benzin.
Erdöl besteht chemisch gesehen aus Kohlenwasserstoffen. Der einfachste Kohlenwasserstoff ist Methan (ein Gas) mit einem kleinen, leichten Molekül. Die nächst größeren sind Ethan, Propan und Butan. Die größeren Moleküle stehen für den Treibstoff der Welt: Benzin, Diesel und Schweröle. Wenn das Rohöl aus dem Boden kommt, sind diese kurzen und langen Ketten völlig vermischt. Deshalb gibt es Raffinerien. Dort werden die verschiedenen Moleküle getrennt (Details dazu hier und hier). Benzin besteht aus eher leichten Anteilen, Diesel aus eher schweren. Das heißt in einem Liter Diesel stecken ca. 13% mehr Energie als in einem Liter Benzin. Diese zusätzliche Energie führt logischerweise auch zu mehr Abgase. Gleichzeitig unterliegt der Otto-Motor mit einem Wirkungsgrad von nur ca. 37% dem des Diesels mit ca. 42%. Jedoch muss der Hersteller einen enormen technischen Aufwand treiben, um die Dieselabgase einigermaßen sauber zu kriegen. Das Ergebnis haben wir alle in den vergangenen Tagen gelesen.
Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier auch noch kurz den Biodiesel. Unumstrittener Vorteil des Bio-Kraftstoffs ist, dass bei der Produktion keine Abfallstoffe anfallen. Auch die Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen wirkt sich positiv auf die Umwelt aus. Allerdings trägt Biodiesel kaum dazu bei, das Klima zu schützen, denn auch er verbrennt! Darüber hinaus kann die geringe Nachfrage heute schon nicht mehr vollständig gedeckt werden und die Nutzung von Rapsfeldern verändert den Nahrungsmittelmarkt. Dies verteuert die Lebensmittel vor allem für Entwicklungsländer. Jeder Autofahrer ist in erster Linie Mensch. Der kann nicht ernsthaft damit kokettieren sein 2t Blech-Ungetüm zu bewegen und andere dafür hungern zu lassen.

Es lässt sich demnach festhalten, dass beide Treibstoffe fossil sind und die Umwelt stark belasten. Der vor allem durch die deutsche Industrie beworbene Vorteil des Diesels war nie einer für die Umwelt, sondern immer nur für die eigene Brieftasche und den Sprint an der Ampel.

Der Irrweg der Deutschen

Während der Rest der Welt – und deren Autohersteller – eher auf Hybrid setzten, hielt die deutsche Autoindustrie an Benziner und Diesel fest. Durch geschickte Vermarktung und niedrigeren Verbrauch wurde den Menschen suggeriert, dass ja weniger Treibstoff pro 100km auch gut für die Umwelt ist. Als Bonus gab es dann noch ordentlich Drehmoment und Subventionen oben drauf.
Den Erfolg des Toyota Prius und weiterer Hybridautos in Kalifornien ignorierte die deutsche Industrie sehr lange und kündigte regelmäßig passende Modelle an, die dann oftmals nie oder stark verspätet kamen. Neuester Trend sind Plug-In-Hybride wie der Porsche Cayenne, mit dem Lücken im Gesetz geschickt für pseudo-umweltfreundliches Marketing missbraucht werden (siehe auch ARD Beitrag 08/15). Und um dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen, soll laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt nun solch ein Fahrzeug mit kostenlosem Parken und der Nutzung der Busspur belohnt werden.

Damit sind wir auch schon bei der Rolle der Regierung. „Ich denke, die Regierung hört zu sehr darauf, was die deutschen Automobilhersteller sagen. Und wenn die falsch liegen, passieren die falschen Dinge.“, so Elon Musk beim Treffen mit Sigmar Gabriel. Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund und offenbar kommt die Bundesregierung trotz eines solchen Skandals nicht zu Sinnen und macht weiter mit Klientelpolitik zum Schutz der deutschen Schlüsselindustrie, die trotz aller Entgegenkommen aus der Vergangenheit ja mittlerweile nicht mehr zum Schlüsselloch zu passen scheint.
So nutzen die Autohersteller grundsätzlich alle Lücken im Gesetz, um riesigen SUVs niedrige Verbrauchswerte auszuweisen (siehe hier ZDF Beitrag von 11/14) und verstecken sich hinter der Nachfrage am Markt. Doch genau hier sollte die Regierung regulierend eingreifen, so wie sie auch das Rauchen verbietet, Kindersitze vorschreibt oder die Zweirad-Helmpflicht einführt! Denn der Mensch ist selten vernünftig. Hier ist es Aufgabe der Regierung vernünftige Rahmenbedingungen zum Schutz aller vorzugeben. Zum Beispiel ist es einfach rational nicht zu erklären, wieso in Deutschland noch immer keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen festgesetzt ist. Die Argumente Pro-Rasen sind so emotional und unreflektiert wie die der Waffenlobby in den USA nach einem Amoklauf.
Interessanterweise geht auch kein Aufschrei durch die Republik, dass jedes Jahr mit Steuergeldern der Wert eines Berliner Hauptstadtflughafens (3,5 Mrd €) für die Diesel-Subventionen verprasst wird. Es ist dann auch verwunderlich, dass es den kleinen Mann nicht in Raserei versetzt, dass “die da oben” am häufigsten von diesen Subventionen profitieren, liegt doch der Diesel Anteil in Deutschland von z.B. BMW bei sagenhaften 75%! In der Retroperspektive erscheinen auch die 5 Mrd. € für die Abwrackprämie fast zynisch. Alte Autos wurden verschrottet und durch neue, umweltfreundliche ersetzt. Nach aktuellen Informationen sind auch in Deutschland 2,8 Mio. VW-Fahrzeuge vom Abgasbetrug betroffen.

Der Mixtur aus Ignoranz für neue Antriebskonzepte und dem inneren Zwang folgend neue Modelle größer und schwerer zu machen, begegnete die deutsche Autoindustrie mit immer neuen Kniffen in der Motorentechnik und irgendwann mit Tarnen, Tricksen und Täuschen. Dabei betätigt sich die Politik als Steigbügelhalter für eine kurzsichtige Produktpolitik zum Schaden aller – Steuerzahler oder Enkelkind.

Das Elektroauto ist so viel simpler

Dabei ist das Elektroauto so viel einfacher zu entwickeln. Genau das lockt branchenfremde Konzerne. Denn im krassen Gegensatz zu den Beruhigungspillen der Autopresse, dass Apple so schnell gar kein Auto bauen kann, sind die Fakten bestechend. Für einen echten Elektrowagen brauche ich weder Tank, Ölwanne, Motorblock, Einspritzelektronik, Getriebe, Getriebetunnel oder Kardanwelle. Es reicht ein Elektromotor in der Größe von ca. 6 Milchtüten und im Fahrzeugboden die Akkus. Der Schwerpunkt des Fahrzeugs ist damit so niedrig wie bei einem Formel 1 Rennwagen und der Platz unter der Motorhaube gleichzeitig Stauraum. Das Fahrwerk und die Sitze kommen von Zulieferern und das Blechbiegen lasse ich durch die alten Profis von GM, Toyota, VW oder Mercedes erledigen.IMG_6174kl
Dabei liegt der Wirkungsgrad von E-Motoren jenseits der 90% und die Stromquelle kann kontinuierlich durch neue Technologien umweltfreundlicher werden. Das Stromtankstellennetz wächst nicht zuletzt durch Tesla stetig an. Darüber hinaus ist der Zugang zu Tesla’s Supercharger ohne weiteres möglich, schließlich legte Tesla hier alle Patente zur freien Nutzung offen.

Einmalige Chance für Volkswagen weltweit umweltfreundlich zu führen

Der Verbrennungsmotor lässt sich nicht mehr wesentlich verbessern. Daran ändert niemand etwas, denn die Gesetze der Physik und der Chemie lassen sich nicht unendlich biegen. Mit der Elektromobilität kann Volkswagen und das Land Niedersachsen (und im letzten Schritt die Bundesregierung) endlich wieder den Standort Deutschland zu einem echten Hort der Innovation werden lassen. Denn die Veränderungen auf der Welt finden auch ohne uns statt.
Meine Empfehlung an Matthias Müller, der ja jetzt nach einer Strategie für die Ausrichtung von Volkswagen sucht: Die Dieselentwicklung per sofort einstellen und die Produktion auslaufen lassen. Die freigewordenen Ressourcen mehrheitlich im Konzern auf den Elektroantrieb setzen und dem Rest der Ingenieure Zeit und Freiraum für neue Ideen geben. Im gleichen Atemzug zieht die Regierung die Subventionen für Diesel zurück und baut mit dem Geld Stromtankstellen mit einer Norm, einem Abrechnungssystem und einem Hersteller. Bei einem Investitionsvolumen aus gesparten Dieselsubventionen von 14 Mrd. € bis 2020 lässt sich sicher der eine oder andere Prozentpunkt Mengenrabatt bei den Säulen heraushandeln. Ggf. einfach bei Elon anrufen, Sigmar hat ja seine Telefonnummer. Dann klappt es auch mit 1 Mio Elektroautos bis 2022.

The Diesel story

Montag, 21. September 2015

Manipulation in USA (only?)

Volkswagen and USA have a long history. The brand has struggled for a long time, interrupted by some highlights like the new beetle and the genius Darth Vader commercial.

https://www.youtube.com/watch?v=R55e-uHQna0

But for the rest VW fought a loosing battle, because its vehicles are perceived as average vehicles sold for a premium price. That might work back home, but not in the most competitive market in the world. While Toyota introduced hybrid technology to meet California standards and address the environmental consciousness, the board of VW, Audi and others believed in Diesel technology to save the environment. If one looks at the refining process of Diesel, it is obviously a false assumption.
Together with Mercedes and BMW the german carmaker tried to convince Americans to buy german Diesel, while Toyota constantly improved hybrid technology and offers Lexus hybrids as well. The premium brand is sold big time in the US. It is a serious competitor for our german luxury brands. Many Germans can’t simply accept that fact, always comparing the success of Lexus in Germany to their beloved Audis or Benz. But we are talking US here. One of the biggest car markets in the world.

Remember, VW built a factory solely for the US market. VW developed a US version of the Passat sold for a much cheaper price in US. We are talking big investments for the North american market, which now seem to be wasted. Adding the penalty to those costs we aren’t even almost there. US buyers have a very very long memory. In the Nineties Audi had a break incident, which wasn’t a technical problem. But sales dropped to a fraction it once was and it took Audi 20 years to recover.

Now imagine what it will do to sales, when the company admits (and it already has!) fraud! The brand image got a huge hit and I wonder if it ever will recover from it. Maybe – with some huge luck – the EPA won’t penalize Volkswagen. VW will show a big chunk of humility and fire some high ranks and the public will forgive after a couple of years. Maybe. So get ready for some really once-in-a-lifetime performances from Winterkorn.
On the other hand it’s doomsday. Audi is already part of the sales stop, is Porsche next? Thank god Bentley and Lamborghini don’t sell Diesel, otherwise they’d be screwed too.

Hits are coming closer to home?

The most interesting part of it all will be played by the EU. It is a fair assumption, that this is not a single event in US. A german environmental organization has complained for a long period of time about some irregularities regarding Diesel engines.
Sales figures of Diesel in Europe should be around 40% (estimate). If – and that’s a big if – VW has manipulated in Europe too, it’ll face some serious trouble with a high likeliness of extinction. But let’s stay positive and wait for all the nice EVs presented on the IAA. Perhaps this was the external event necessary forcing this giant to rethink its course.