Jahresrückblick 2016 – kalte Ökonomen

Der vierte Feind in der Handelsblatt Ausgabe - ergänzt mit den mir wichtigen Fakten -  lautet

Kalte Ökonomen

Die Globalisierung kennt nur Gewinner. So oder so ähnlich wird immer wieder argumentiert und unzählige volkswirtschaftliche Zahlen bemüht. Richtig müsste es heißen, dass die Globalisierung auf der Unternehmerseite nur Gewinner kennt. Das Individuum hingegen wird hier und da schon abgehängt und muss sich dann in Deutschland als »faule Grippel« (Stephan Stracke, CSU), »spätrömisch Dekadente« (Guido Westerwelle, FDP), »Anschieber für die Tabak- und Spirituosenindustrie« (Philipp Mißfelder, CDU) »Nutzniesser der sozialen Hängematte« (Wolfgang Schäuble, CDU) beleidigen lassen. schmarotzerGanz aktuell denunziert die CSU die Grünen mit einem Werbespot auf Facebook. Dort wirft man den Grünen vor, die Sanktionen gegen Hartz IV Schmarotzer lockern zu wollen. Bei solchen Attributen leiden in meinen Augen zwei Dinge:

  1. die Würde des Menschen
  2. die von allen Parteien geheuchelte christliche Nächstenliebe

Die Gruppe der atypisch Beschäftigten wie Teilzeit, Geringerverdiener, Leiharbeiter oder Soloselbstständige haben ein 4x höher Armutsrisiko als regulär Beschäftigte. Die Reformen der letzten Jahre haben diese Gruppe auf 9,5 Mio Menschen anwachsen lassen, was eine Verdopplung zu 1991 darstellt (atypische Beschäftigte stellen somit knapp ein Viertel aller Beschäftigten). All diesen Menschen ist gemein, dass sie in der Regel nicht von ihrem Einkommen leben können. Gleichzeitig wuchs der Anteil am Gesamtvermögen der Republik der wohlhabendste 1% von 17,3% (2010) auf 31,5% (2014) (Quelle HB bzw Credit Suisse). Für eines der reichsten Länder der Welt ist das doch einfach nur noch peinlich!
In der Europäischen Union sieht es nicht besser aus. Eurostat verortete im Oktober 119 Mio. Europäer (oder 23,7% der Bevölkerung) an der Armutsgrenze. In Bulgarien sind es gar 41,3%, Rumänien 37,3% und in Griechenland 35,7%.

Die Globalisierung ist übrigens auch nur eine Worthülse, denn neben Rußland sind es vor allem die USA und die EU, die Handelshemmnisse erfinden, um ihre Märkte zu schützen. Die Anzahl der Beschränkungen hat einen neuen Höhepunkt nach der Finanzkrise in 2008 erreicht.
Denn am Ende geht es immer nur um den eigenen Vorteil. Niedriglohnländern wird die Globalisierung als Erfolg verkauft, damit deren Armut den Konsum der Industrienationen ermöglicht. Dabei scheren sich die Konzerne in der Regel einen Dreck um Menschenrechte oder Umweltauflagen.

Fazit

Tja, das Euro-Sorgenkind Griechenland muss ja weiter sparen und darf keine sozialen Geschenke (Wolfgang Schäuble, CDU) verteilen. Das ist keine kalte Ökonomie, das ist schlicht asozial.

Darüber hinaus ist es an Arroganz kaum noch zu überbieten die Globalisierung als das All-Heil-Mittel zu propagieren, die echten, alltäglichen Sorgen seiner Mitbürger zu ignorieren und die westlichen Werte nur dem illustren Kreis der Industriestaaten zu gute kommen zu lassen, während andere ausgebeutet werden. Aber zu Arroganz komme ich ja morgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.