Dokumentationen sind schlimmer als Product Placement

Bereits vor 4 Tagen habe ich mich kurz auf google+ dem Thema angenommen, als der Spiegel die Untersuchungsergebnisse der Befragung von knapp 900 Jugendlichen zu sogenannten Dokumentationen (neudeutsch scripted Reality) veröffentlichte. Das Blatt legte noch einmal nach und fragte bei RTL direkt nach.
Zunächst einmal die Ergebnisse in Kürze: 50% der Jugendlichen glauben, Formate wie „Die Schulermittler“ stellen wahre Geschichten dar, 30% denken sogar es seien Dokumentationen von echten Familien/ Geschehnissen. Der Anteil von Hauptschülern als Zielgruppe ist hoch und gleichzeitig sind es auch diejenigen, die es eher als Realität einstufen.
Die Quote dieser billigen, realitätsfremden Sendungen ist selbst bei Kindern zwischen 6-12 Jahren mit 25% enorm. Bei dem bis 18 jährigen steigt es noch an.

Wirklich beschämend wird es erst, als der RTL Sprecher sich äußert. Da kommen einem – wenn auch nur kurz – Zensurgedanken hoch.
Laut einer Forsa-Umfrage glauben nur 18 Prozent aller Über-14-Jährigen, das bei „Familien im Brennpunkt“ und ähnlichen Sendungen tatsächliche Geschehnisse gezeigt werden. Doch über 60% ist es gleichgültig, ob es Real oder fiktiv ist.
Den Vogel schießt der Pressesprecher vom Schundkanal mit diesen Worten ab: „die Eltern sollten Ihre Kinder schon beim Fernsehen begleiten und Ihnen die Vorgänge erklären.“ Ach ja?
Wenn ich mich recht erinnere ist es um 14 Uhr KINDERprogramm und sollte daher keiner Anleitung bedürfen. „Heidi“ ging damals auch ohne meine Eltern.
Doch ich will den Sender in Schutz nehmen; ein klein wenig! Eigentlich sollte man die Produkte/ Firmen an den Pranger stellen, die mit Ihrer Werbung diese Qualität an Programm auch noch fördern.

Wenn ich mir all das anschaue und im Vergleich den öffentlichen Druck – vor allem auch der Medien – hinsichtlich product placement betrachte, frage ich mich erneut, was die Hexenjagd auf integrierte Werbung soll?
Jemand den neuen „MI4“ gesehen? Wer glaubt denn, dass BMW da zufällig drin ist? Und jetzt die Schlüsselfrage: Wieso wäre es schädlich, falls es jemand glaubt?
Der Film ist ein Film. Fiktiv. Das begreifen auch Kinder. Es ist eine Welt in die man abtaucht und die einen unterhält. Doch wie so oft in Deutschland haben Bürokraten das Zepter in der Hand, gepaart mit einer zutiefst ineffizienten, machtgesteuerten öffentlichen TV Landschaft, die Ihren eigentlichen Auftrag der regierungsunabhängigen Informationsversorgung bis auf Unterhaltung ausgedehnt hat. Tja und dann beim Thema Unterhaltung kläglich versagt. Wen wundert es? Beamte, die Fernsehen machen….

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