Archiv für August 2010

Das Web überholt auch in Deutschland das TV

Montag, 23. August 2010

Der Anbieter Maxdome ( Kooperation zwischen P7S1 AG und 1&1 Internet AG) hat mit dem amerikanischen Sender CBS ein Abkommen für Video on demand Angebote geschlossen. Darunter fallen Serien wie „Navy CIS: L.A.“, „Navy CIS“, „The Good Wife“ und „90210“. Das pikante ist jedoch der Ausstrahlungstermin für die neuen Folgen, der sieben Tage vor der Erstausstrahlung im TV liegt.

Damit geht Maxdome den Weg von iTunes, das teilweise bereits vor der eigentlichen Ausstrahlung die Serien zum Laden anbieten. Interessanterweise sind die Nutzer – in USA sowohl als auch in Deutschland – bereit für diesen Service zu zahlen und damit gleich weitere Vorteile zu erwerben: nämlich die Unabhängigkeit vom Sendeplatz und den werbefreien Genuß. Das webTV breitet sich immer weiter aus, sei es IPTV, Streaming Angebote oder gleich der Kauf von Dateien zum Runterladen von der Webseite. Das Internet macht diese Leistung möglich und wird so nach und nach dem TV das Wasser abgraben.

P7S1 hat sich frühzeitig mit Maxdome positioniert, um auch diesem Trend zu nähren. Die Verwertungskette wird zukünftig wohl auch für Kinoproduktionen andere Wege einschlagen, sobald sich im Netz „Sender“ etabliert haben, die eine große Zuschauerzahl hinter sich vereinen. Eine mögliche Variante könnte sein, daß die Internetanbieter noch vor den Sendern um Rechte buhlen und sich so in der Verwertungskette nach vorne drücken. Denn letztlich ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Denn nicht nur die junge Generation nutzt das Internet intensiv auch für audio-visuellen Konsum. Das obere Ende der berühmten Zielgruppe 14-49 Jahren beginnt auch die Vorteile der online Variante zu schätzen und sich vom althergebrachten Sendeplan der TV Anstalten abzukoppeln. Zumal die Bedienung der neuen Technologien im Vergleich zur Programmierung eines Videorekorders sehr einfach und übersichtlich ist.

Nutzervorteile und Bedienerfreundlichkeit sind hier die Schlüssel zum Erfolg. Angepaßt an einen immer hektischeren Lebensstil und weit gefächerte Interessensgebiete paßt der 20:15 Uhr Film meist nicht mehr in das Sehverhalten von heute. Die einen kontern mit digitalen Videorekordern, während andere sich das Speichern und Programmieren sparen und einfach auf entsprechende Angebote im Netz zurückgreifen, wo mit einem Klick das gewünschte Produkt frei Haus geliefert wird.

Zuviel Product Placement kann auch gut sein

Mittwoch, 18. August 2010

Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß es um die geschickte Integration eines Produktes in die Handlung geht. Es muß glaubwürdig sein, warum das Produkt genutzt wird. Auch in der Hinsicht, daß der Charakter solch ein Produkt auch im wirklichen Leben kaufen und nutzen würde. Diese Grundvoraussetzungen werden auch dann nicht außer Kraft gesetzt, wenn die Rolle des Produktes dominant ist.

So geschehen in einer Folge von Modern Family mit dem iPad von Apple. In der 19. Episode der ersten Staffel will der „early adopter“ und Technokrat Phil unbedingt zu seinem Geburstag ein iPad, und zufälligerweise fällt dieser mit dem Verkaufsstart des großen Bruder des iPhone zusammen. Die Aussage „The iPad comes out on my actual birthday. It’s like Steve Jobs and God got together and say We love you, Phil.'“ ist nicht nur witzig, sondern nur eine von unzähligen Produktnennungen. Ein großer Teil der Folge dreht sich um das Gerät vom Obstlieferanten aus Cuppertino.

Das klingt nach „zuviel“, doch stört es den Handlungsfluß nicht, bleibt dem humorvollen Grundton der Serie treu und vor allem paßt es perfekt zum Charakter von Phil. Dies ist entscheidend. Denn alle anderen Technikfraggles drehten ebenso wochenlang am Rad, als dieses digitale Buch herauskam. Selbst Menschen, die ruhig blieben, können diese Eigenschaft nachvollziehen und mit der Figur von Phil verbinden.

Ein weiteres Beispiel ist die Reihe Transporter. Hier hat sich AUDI in der zweiten und dritten Folge massiv in Szene gesetzt und gestört hat es keinen. Die Figur Frank transportiert mit seinem Auto Dinge von A nach B, fragt nicht nach Inhalt sondern nur exakten Koordinaten. Letztlich ist es nur konsequent, wenn sich vieles in dieser Geschichte um das Autofahren dreht.

Die neueste Umfrage zu Product Placement weist Wissensdefizite aus

Sonntag, 15. August 2010

Die Studie wurde von einem Vermarkter erstellt und spiegelt vermutlich auch ein wenig dessen Anschauung wider. Doch bleiben 53% der Werbetreibenden, die die Wirksamkeit von Product Placement in Frage stellen und aus diesem Grund diesen Teil der Kommunikation nicht in Ihrem Marketingmix berücksichtigen.
Hier sei die provokante Frage erlaubt, ob keiner dieser Entscheider James Bond gesehen hat? Natürlich kann man über den Inhalt debattieren, doch ist diese Reihe der regelmäßige Beweis, wie Marken und Filme verknüpft werden können. Die Omega Kampagne mit jedem Darsteller und zu dem Filmen, oder die Fahrzeuge, um hier nur zwei zu nennen. Gerade letztere sind doch beeindruckende Beispiele für die Wirkung von Placement. Auf die Frage, was JB fährt, kommt in der Regel Aston Martin oder BMW. Das dürfte wohl auch mit der Grund sein, wieso BMW sich nach langer Abstinenz wieder in Hollywood zurück gemeldet hat.

Bei Fahrzeugen sieht die Mehrheit das größte Potential, gefolgt von Unterhaltungselektonik, Getränke und Lebensmittel. Im Grunde ist alles platzierbar, nur die Geschichte muss Platz für das Produkt lassen. Jedoch ist die Zurückhaltung hinsichtlich Placement nachvollziehbar. Meines Erachtens liegt das vor allem in der Vermarktung. Die Spieler sind hier die Vermarkter der Sender und die Mediaagenturen auf der anderen Seite. All diese Teilnehmer schneiden sich aus dem Mediabudget des Kunden Anteile heraus. Dabei gerät jedoch die kreative Basisnote des Product Placement in den Hintergrund. In erster Linie steht hier immer die qualitative Bewertung des Formats, vor der Prüfung auf Einschaltquoten etc. Nur wenn das Format zu den Markenwerten passt, sollten die nächsten Schritte folgen. Diese qualitative Bewertung hat nichts mit einer Mediabewertung eines Sendeplatzes zu tun und erfordert viel Verständnis für Dramaturgie und Drehbuchschreiben.
Ein weiterer Stolperstein ist das Abrechnungsschema der oben genannten Teilnehmer. Aus Angst vor Budgettransfers soll Placement in Sekunden abgerechnet und entgegen der üblichen Werbezeiten nicht rabattiert werden. Dies führt zu hohen Preisen und einer Neigung des Werbetreibenden in Richtung des Werbespots. Der ist einfacher umzusetzen, angeblich leicht messbar und vor allem gelernt. Wie in anderen Beiträgen bereits angedeutet, ist (sollte!) der Topf für Placement ein anderer als für Medialeistungen. Zudem ist auch Placement im „kreativen“ Programm und die Mediabuchungen um das Programm herum. Die Startschwierigkeiten werden sich auflösen, denn die werbetreibenden Industrie ist gut beraten, den direkten Kontakt mit den Produktionen zu suchen, die letztlich die Hoheit am Set haben. Dort wird für eine entsprechende Umsetzung gesorgt, nicht in dem von € getriebenen Geschäft der Werbevermarktung. Bleibt abzuwarten, ob die Produktionen sich emanzipieren können. Es ist zu hoffen, daß die Industrie entsprechend Druck ausübt, um für Ihre Investionen die besten Ergebnisse zu erhalten.

Eine Alternative aus diesem Dilemma bietet webTV. Hier gibt es die totale Freiheit und mit Plattformen wie Youtube, clipfish oder 3minutes geeignete Verbreitungsplattformen. Da Deutschland im Bereich Product Placement hinten dran ist, kann es aber auch sein, dass eine Entwicklungsstufe übersprungen wird und das Medium der Zukunft seitens der Werbetreibenden in naher Zukunft intensiver genutzt wird.

Erfreulich ist an den Zahlen, dass alle Befragten die Ablehnung durch den Zuschauer als unwahrscheinlich einschätzen. Hier zeigt sich ein begrüßenswerter Realismus, denn der Zuschauer ist den Machern um Längen voraus. Seit Jahren sieht er Material, dass mit Integrationen besetzt wurde und nimmt daran keinen Anstoß.

Sony und sevenload kooperieren bei IPTV

Donnerstag, 12. August 2010

Seit gestern wird in allen LCD TV, Blue Ray Spielern und Heimkinosystemen von Sony das IPTV Angebot von sevenload bereitgestellt.
Auf über 100 Kanälen bietet sevenload nach eigener Aussage hochwertiges webTV Programm an. Das sind über 3000 Videos, die der Käufer der entsprechenden Sony Geräte dann dort auch abrufen kann. Hier geht es zur Pressemeldung von sevenload und dieser Link führt zu einem Artikel, in dem es um die Veränderungen bei der TV Technik geht; Stichwort Hybrid TV