Wieso Placement im Gegensatz zu Sponsoring unterschwellig wirkt

Die Idee zu diesem Beitrag entstand, als ich das Eröffnungsspiel der Fußball WM verfolgte.
Ein Grund für die zurückhaltende Einstellung gegenüber Product Placement ist doch, dass Werbung bereits überall zu finden ist; erschwerend kommt im Fall der Produktintegration hinzu, dass sie nicht als Werbebotschaft gekennzeichnet ist.

Gute Integration zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht platt daherkommt und eben nicht wie ein Logo – Banner eingesetzt wird. Genau hier setzt meine Überlegung an, wieso zum Thema Placement überall hinsichtlich Zuschauerschutz, Werbedorado, oder Wirkungsgrad gewettert wird. In anderen Bereichen – hier Sport, am Beispiel Fußball – werden mittels elektronischer Banden am Spielfeldrand die Logos/ Markennamen der Werbeindustrie eingeblendet, die Stadien tragen Firmennamen und die Spiele werden von einem Hauptsponsor ins Wohnzimmer gesendet. Das nennt sich Sponsoring und geht gemäß der öffentlichen Meinung völlig in Ordnung.
Während der Fußballfan in 90min ungefähr 90min lang dauerbeworben wird – oft mit mehreren Marken gleichzeitig – kann sich der Filmenthusiast im Durchschnitt in 75 von 90min der Handlung hingeben und diese frei von Werbebotschaften genießen. Hier seien ein paar Fragen erlaubt:
Wann stellt sich die Presse schützend vor den ahnungslosen Sportfan, der sich trollig-naiv ein Fußballspiel anschaut und in seiner grenzenlosen Bodenhaftung noch an wahre Werte wie Teamgeist, Ehrgeiz und Ehre glaubt?
Wo ist der Gesetzgeber, der eben diesen Sportfan vor unterschwelligen Werbebotschaften schützt, die ihn vielleicht heimtückisch in seiner Kaufentscheidung beeinflussen?

Die Antwort ist schlicht und einfach (niederschmetternd): nichts und niemand!
Ich vermute, das ist so, weil (Sport)Sponsoring gelernt ist. Der drastische Werbeplakatzuwachs scheint niemandem mehr wirklich aufzufallen und letztlich möchte keiner dem Formel 1 Fan erklären, dass eine Warnung für integrierte Werbebotschaften eingeblendet werden muss (Stichwort Kennzeichnungspflicht bei Placement), damit er vor unbedachten Reflexkäufen geschützt wird.
Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Sponsoring und Placement. Die Produktintegration nutzt die Plattform Film/ Serie, um in deren Glanz ein wenig mitzuscheinen. Dazu ist Placement günstiger, benötigt jedoch eine hohe Kreativleistung. Bevor mir vorgeworfen wird, die Tücke des Placements zu verniedlichen, wage ich die These: Die Dauerbeschallung von 90min Logoeinblendung hebt meines Erachtens die „verwobene“ Produktbotschaft in einem Film mehr als auf.

Für s Protokoll:
Auf den Banden gestern abend präsentierten sich Visa, Budweiser, Sony, Powerrade, adidas, Kia, McDonald’s, Castrol, Emirates und MTN Seara – insgesamt 11 Marken. Verglichen mit den Parametern für Placement sollte ein Film im Durchschnitt nicht mehr als 5 Schlüsselpartnerschaften eingehen. Für den Industriepartner besteht sonst die Gefahr, in den vielen Marken/ Produkten unterzugehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.