Mit ‘Kreativität’ getaggte Artikel

Wieso Placement im Gegensatz zu Sponsoring unterschwellig wirkt

Samstag, 12. Juni 2010

Die Idee zu diesem Beitrag entstand, als ich das Eröffnungsspiel der Fußball WM verfolgte.
Ein Grund für die zurückhaltende Einstellung gegenüber Product Placement ist doch, dass Werbung bereits überall zu finden ist; erschwerend kommt im Fall der Produktintegration hinzu, dass sie nicht als Werbebotschaft gekennzeichnet ist.

Gute Integration zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht platt daherkommt und eben nicht wie ein Logo – Banner eingesetzt wird. Genau hier setzt meine Überlegung an, wieso zum Thema Placement überall hinsichtlich Zuschauerschutz, Werbedorado, oder Wirkungsgrad gewettert wird. In anderen Bereichen – hier Sport, am Beispiel Fußball – werden mittels elektronischer Banden am Spielfeldrand die Logos/ Markennamen der Werbeindustrie eingeblendet, die Stadien tragen Firmennamen und die Spiele werden von einem Hauptsponsor ins Wohnzimmer gesendet. Das nennt sich Sponsoring und geht gemäß der öffentlichen Meinung völlig in Ordnung.
Während der Fußballfan in 90min ungefähr 90min lang dauerbeworben wird – oft mit mehreren Marken gleichzeitig – kann sich der Filmenthusiast im Durchschnitt in 75 von 90min der Handlung hingeben und diese frei von Werbebotschaften genießen. Hier seien ein paar Fragen erlaubt:
Wann stellt sich die Presse schützend vor den ahnungslosen Sportfan, der sich trollig-naiv ein Fußballspiel anschaut und in seiner grenzenlosen Bodenhaftung noch an wahre Werte wie Teamgeist, Ehrgeiz und Ehre glaubt?
Wo ist der Gesetzgeber, der eben diesen Sportfan vor unterschwelligen Werbebotschaften schützt, die ihn vielleicht heimtückisch in seiner Kaufentscheidung beeinflussen?

Die Antwort ist schlicht und einfach (niederschmetternd): nichts und niemand!
Ich vermute, das ist so, weil (Sport)Sponsoring gelernt ist. Der drastische Werbeplakatzuwachs scheint niemandem mehr wirklich aufzufallen und letztlich möchte keiner dem Formel 1 Fan erklären, dass eine Warnung für integrierte Werbebotschaften eingeblendet werden muss (Stichwort Kennzeichnungspflicht bei Placement), damit er vor unbedachten Reflexkäufen geschützt wird.
Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Sponsoring und Placement. Die Produktintegration nutzt die Plattform Film/ Serie, um in deren Glanz ein wenig mitzuscheinen. Dazu ist Placement günstiger, benötigt jedoch eine hohe Kreativleistung. Bevor mir vorgeworfen wird, die Tücke des Placements zu verniedlichen, wage ich die These: Die Dauerbeschallung von 90min Logoeinblendung hebt meines Erachtens die “verwobene” Produktbotschaft in einem Film mehr als auf.

Für s Protokoll:
Auf den Banden gestern abend präsentierten sich Visa, Budweiser, Sony, Powerrade, adidas, Kia, McDonald’s, Castrol, Emirates und MTN Seara – insgesamt 11 Marken. Verglichen mit den Parametern für Placement sollte ein Film im Durchschnitt nicht mehr als 5 Schlüsselpartnerschaften eingehen. Für den Industriepartner besteht sonst die Gefahr, in den vielen Marken/ Produkten unterzugehen.

Aktuelle und bekannte Erfolgsbeispiele für Product Placement

Dienstag, 08. Juni 2010

Mit der Liberalisierung der Produktintegration im privaten TV in Deutschland/ Europa, wird in vielen Artikeln darüber gerätselt, inwieweit Placement überhaupt wirkt. Gerade die Werbeindustrie, allen voran die Vermarkter sehen keine große Welle. 
Zum einen dürfte das daran liegen, dass Werbespots leichter abzurechnen sind, da es eine Tabelle gibt. Ein weiterer Grund ist die Abwicklung der Buchung. Die Werbeplattform stellt dem Werbetreibenden die Zugriffe zur Verfügung und der gleicht das mit seiner Zielgruppe ab – die berühmten 19-49 Jährigen. Bei einer Integration in die Handlung ist deutlich mehr Arbeit zu leisten, denn es geht um die inhaltliche Prüfung (paßt die Geschichte zur Marke) und gegebenenfalls um kreative Ideen der Integration. Die Akquisition von potentiellen Kunden stellt sich dann schwieriger dar, aufgrund der vorherrschenden Zurückhaltung gegenüber Placement. Zu guter Letzt ist die Abrechnung viel komplizierter und nicht in eine Tabelle auf Sekundenbasis zu pressen.

Diese Mehrarbeit lohnt sich und zwar für beide Seiten ! Denn das integrierte Produkt/ Marke bewirbt ja oft genug auch die Sendung. Mit der Verknüpfung von Marke und Handlung färbt ja Glitzer und Glamour auf die Marke ab – so die Kalkulation.
Ein Erfolgsbeispiel für einen positiven Abstrahleffekt auf eine – unbekannte – Marke hatte erneut Sex in the City, diesmal der zweite Kinofilm. Während die Schuhmarke Manolo Bhlanik mit der Serie zu Weltruhm aufstieg, steigen bei der Berliner Brillenmarken 
Mykita die Verkaufszahlen um 40% , da Carrie die Brille im Film trägt. Glücklicherweise tut Sie das auch auf dem Filmplakat. Ähnlich positiv sieht das der deutsche Kofferhersteller Rimowa. Bekannt aus vielen internationalen Einsätzen in Hollywood Produktionen, hat Rimowa nun auch den brasilianischen Markt entdeckt und betreibt in deren Erfolgsmodell Telenovelas Product Placement. Laut eigener Angabe zahlt sich das mittelfristig aus, denn der Umsatz stieg in 2009 um satte 89%.   
Was beide Beispiele so besonders macht, sind zwei Faktoren:
Faktor 1 das Produkt an sich: Wenn über Placement gesprochen wird, dann immer über nicht zu übersehende Produkte wie Autos. Die Wirkung bei kleinen Produkten wird grundsätzlich in Frage gestellt. Eine falsche Annahme, wie man sieht, so lange Handlung, Glamour und Glitzer bei der Wahl der Sendung beachtet werden.
Faktor 2 ist die Sogwirkung der Platzierung alleine: Ohne abgestimmte Werbung nehmen die Zuschauer die Produkte/ Marke wahr. Dies alleine bestärkt die Tatsache, dass Placement in den Kommunikationsmix jedes Unternehmens gehört. Zur Integration und was dabei zu beachten ist, schreibe ich in einem zukünftigen Beitrag.

Als Teil des Mix sollte ich als Unternehmen die mir bietende Chance nutzen und über die Integration sprechen. Auch wenn es manchmal ohne das geht, so verstärkt eine abgestimmte Kommunikation die Wirkung beim Zuschauer. Wichtig hierbei ist, dass die Botschaft der Handlung angepasst ist und die Sendung ebenso bewirbt. Da dieses Mittel der Werbung nur gewählt wird, wenn die Integration elementar ist, ergeben sich ausreichend Stoffe für kreative Ideen zu einer Anzeige oder eines TV Spots. Der angeführte Werbespot dürfte bei jedem ankommen, selbst Jahre nach der Ausstrahlung des Kinofilms. Der Spot verfehlt noch heute nicht seine Wirkung. Wie mag das am Höhepunkt des Filmstarts gewesen sein !?

Die unbegründete Angst der Kreativen vor dem Eingriff in die künstlerische Freiheit

Sonntag, 09. Mai 2010

Bei Gesprächen mit den kreativen Filmschaffenden spürt man eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich der Produktintegration in deren Geschichten. Meist rührt diese Skepsis von der Angst, man verkaufe seine Seele an die Industrie, oder erlaube der zuviel Mitspracherecht.
Allererst geht es doch um das Projekt. Für jeden. Konsequenterweise besteht ein Interesse dies so professionell und gut als möglich zu produzieren. Da Qualität aber Geld verschlingt und die Produktionsbudgets nicht gerade üppig ausgestattet sind, entsteht ein gewisser Zwang zum Verzicht. Durch Partnerschaften kann das Budget entlastet und im Idealfall sogar aufgebessert werden. Diese dienen also der Verbesserung des Produktes “Film”.
Betrachtet man dann die Integrationen als Unterstützung zum Erzählen der Handlung, ergeben sich natürliche Produktnutzungen. Angefangen beim Transportmittel Auto, über die Büroausstattung hin zu kleinen Statussymbolen wie Laptops oder Mobiltelefonen. Wir alle bewegen uns in gewissen Kreisen und diese identifiziert man meist durch gewisse Marken (z.B. Gucci Brillen, iPhone, Kik, Lidl etc.). Marken machen Menschen und Produkte helfen so Charaktere zu beschreiben. Letztlich dienen sie also dem Erzählfluß ! Die Angst, dass ein Hersteller die Geschichte ändern möchte – der Held wird zum Mörder – ist absurd. Die Unternehmen erwarten in der Regel eine natürliche Integration, in der Ihr Produkt gut zur Geltung kommt. Was ist also falsch daran ?
Wie ich bereits im Beitrag zur Kennzeichnungspflicht erwähnte, erlaubte die alte Regelung nicht, dass eine Tankstelle grün, blau oder gelb erstrahlte. Schon gar nicht, dass sich bei der Geschichte um einen “roadtrip” z.B. ein Teil der Geschichte an dieser Tankstelle oder gar mit der Tankstelle abspielte. So könnte bei Aral eine Aktion für Campingausrüstung laufen und man benötigt einen Gegenstand. Um beim Beispiel der Tankstelle zu bleiben, war es bisher nicht gerade realitätsnah, was im Kassenraum zu sehen war. Die dort angepriesenen Produkte fanden sich nicht im Film wieder. Ganze Regale mussten mit künstlichen Produktmarken bestückt werden. Firmen haben sich darauf spezialisiert, diese Kunstmarken zu gestalten. All das ist nun nicht mehr nötig und der Film spielt einen kleinen Tick näher in der Realität der Zuschauer. Hierzu paßt das Zitat aus der Horizont von Arno Schäfer, Geschäftsführer Mediacom Interaction: “Soll der TV-Kommissar in einem nicht deutlich sichtbaren Auto zu einem Verdächtigen fahren, mit einem No-Name Handy seinen Kollegen anrufen oder mit einer anderen Marke als Google seine Desk-Research starten? Das ist nicht glaubhaft! Marken gehören per se in einen guten Film.”

Unterm Strich erhält man Budgethilfe und kann sein Projekt hochwertiger produzieren. Wenn die Geschichte es zulässt und einem Produkt eine zentralere Rolle zukommt, ist der Hersteller bereit, eine darauf abgestimmte Kommunikation zu erstellen. Die begleitet dann den Film/ Serienstart und sorgt so für mehr Aufmerksamkeit. Letztlich befruchten sich also beide Seiten gegenseitig.
Man verkauft also nicht seine Seele dem Mammon, sondern geht eine fruchtvolle Partnerschaft ein, die dem Ziel eines perfekten Films so näher kommen kann.