In China wird die Zukunft der deutschen Autoindustrie entscheiden

Lange war der deutsche Markt für Volkswagen und andere heimische Hersteller gleichzeitig größter Absatzmarkt. Diese Position hat nun schon seit längeren China inne. Ein riesiges Land mit noch größeren Umweltproblemen. Die Luftqualität in China's Städten ist miserabel, wo in über 90% der 190 Städte die Grenzwerte regelmäßig gerissen werden. Hier sticht vor allem der gesundheitlich bedenkliche Feinstaub hervor, für den die WHO einen Grenzwert von 20 (Index) als unbedenklich festgelegt hat. Im Januar 2015 lag der Index für Peking im Schnitt bei 200 und im absoluten Hoch bei sage und schreibe 546!

Verantwortlich für den Ausstoß des giftigen Feinstaubs sind Kraftwerke, Industrieanlagen und der rasant wachsende Individualverkehr. Die Regierung hat das Problem erkannt und ist weltweit zu einem der größten Investoren auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien geworden. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil aus regenerativen Quellen von 17% auf 21% (Vergleich zu D: 25,8% in 2014) steigen. Bereits im Jahr 2013 schrieb das Land Geschichte mit dem Aufbau von 12 GW Leistung aus Solaranlagen, die größte jemals in einem Jahr errichtete Kapazität, in 2014 erfolgte nochmal soviel.
Offensichtlich hat China erkannt, dass der Energiehunger nicht durch herkömmliche Kraftwerke gestillt werden kann, weil dies zu Lasten der Gesundheit und letztlich des Wohlstands des Landes geht. Die gezielten Bemühungen hier gegenzusteuern zeigen sich auch in der errichteten Leistung von etwa 57GW aus erneuerbaren Quellen und 39,7KW aus Kohlekraftwerken für das Jahr 2013.

Das Unternehmen BYD - build your dreams - ist ein Vorreiter in der Elektrifizierung von Fahrzeugen. Egal ob Autos oder Busse, das Unternehmen bietet eine Reihe von unterschiedlichen Fahrzeugen an und ist gleichzeitig ein großer Batterieproduzent. Das Joint Venture mit Mercedes brachte einen reinen Elektrowagen hervor: den Denza. Die dafür nötigen Investitionen werden seit 2005 massiv vom Staat  gefördert und BYD soll nach dem Wunsch der kommunistischen Führung weltweit der erfolgreichste Elektroautohersteller werden. Warren Buffet glaubt daran und ist mit über 9% seit 2008 am Unternehmen beteiligt.
Neben BYD gibt es noch zahlreiche andere Hersteller im Bereich der e-Mobilität. So erfreuen sich die Elektroroller einer großen Fangemeinde in China und deren Akkus stammen von Phylion, einem dieser "namenlosen" Unternehmen aus dem Reich der Mitte. Doch während wir hier in Europa hauptsächlich fasziniert über den großen Teich nach Kalifornien auf Tesla und dessen illustren CEO Elon Musk schauen, bereitet sich der größte Automobilmarkt auf die Elektrifizierung vor.

Die Gefahr aus China hat zwei Komponenten. Zum Einen ist der Markt gerade für die deutschen Hersteller extrem wichtig und könnte durch eine Entscheidung der Partei über Nacht für Verbrenner geschlossen werden. Zum Anderen reift hier eine Kompetenz heran, die massentaugliche Elektromobilität entwickelt und schließlich nicht nur in China verkaufen kann.

Die technologische Insel der Glückseligen in Deutschland und Europa findet sonst ein jähes Ende durch die politisch motivierte und stark wettbewerbsverzerrende Förderung der Elektromobilität in Asien

Jan Traenckner Link

Verarbeitet man diese Informationen und zieht die eine oder andere Schlussfolgerung, dann verwundert es umso mehr, dass es ein #dieselgate brauchte, um Europa aus dem feinstaubvernebelten (oder besser vernagelten) Dornröschenschlaf zu reißen. Doch selbst jetzt hat die deutsche Regierung die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt und hält sich mit drastischen Massnahmen zurück, um Volkswagen zu schützen. Anscheinend reichen 11 Mio. Betrugsfälle noch nicht aus, um die Förderung des Diesel einzustellen und diese stattdessen der Elektromobilität zukommen zu lassen (siehe hier auch meinen Blog Beitrag: 11 Mio Gründe für eine elektrische Zukunft).

Die Ankündigung von Volkswagen bis zu 20 elektrifizierte Modelle zu entwickeln ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als PR Gerassel. Denn meines Wissens ist man (noch) nicht gewillt reine E-Autos wie den Renault Zoe, Tesla Model X / S oder Nissan Leaf zu bauen. Selbst jetzt noch hält man sich Optionen für andere Antriebsstränge offen, wohl wissend, dass der Bau eines E-Autos nicht mit dem eines Verbrenners zu vergleichen ist. Grandiose Vorteile wie Fahrdynamik oder 2 Kofferräume lassen sich schwer auf einer Plattform vereinigen.
Vielleicht ist in diesem Zusammenhang die Idee von Investor  der richtige Weg. In einem Artikel für den Guardian schlägt er vor, VW zum Bau elektrischer Modelle binnen 5 Jahre zu zwingen und ihnen die Strafe zu erlassen. Die geschätzten 10 Mrd. $ könnte Volkswagen in die Entwicklung von Stromern stecken und ein 3x besseres Auto als Tesla bauen - die haben nämlich ca. 3 Mrd $ gebraucht. Damit wäre allen geholfen:

  • der Umwelt, wegen weniger Treibhausgasen
  • Volkswagen, wegen zukunftsträchtiger Produkte für den (chinesischen) Markt
  • den Kunden, für mehr Auswahl in EV Bereich
  • dem deutschen Staat, weil es auch zukünftig noch Arbeitsplätze gibt

Vielleicht schafft VW dann auch, was Tesla schaffte. Nämlich dass Fans die PR und das Marketing übernehmen. Anbei der in meinen Augen beste Werbefilm für Tesla: "We were the ones who changed the world."

2 Gedanken zu „In China wird die Zukunft der deutschen Autoindustrie entscheiden

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