Archiv für Januar 2011

Versteckte Werbung bei Wetten, daß…?

Mittwoch, 26. Januar 2011

Bei der Clearingstelle des ZDF dürften die letzten Tage ziemlich viele Überstunden anfallen. Und die Mitarbeiter tun mir sogar irgendwie leid!
Doch die Recherche einiger Medien bzgl. möglicher Placements oder “Schleichwerbung” geschieht nicht, um den Zuschauer zu schützen. Der ist seit Jahren an Placement gewöhnt. Letztlich dreht es sich nur um die Finanzierung der öffentl-rechtl. Sender durch die Bevölkerung im Vergleich zur Geldbeschaffung der privaten Konkurrenz. Aber der Reihe nach…

Die Bild Zeitung nimmt Anlauf, um sogenannte Schleichwerbung des Senders aufzudecken. Der Redakteur beweist ja mit dem Titel Auch bei Wetten, daß…? versteckte Werbung sogar äußerst viel Sinn für Humor. Die Königin der Biere hätte sich für 1.2 Mio 483 Sekunden Werbung erschlichen. Moment mal: 483 geteilt durch 30 ist gleich 16,1 Spots zu € 74.500 für ein Logo zwischen Köpfen im Hintergrund – ziemlich happig. Doch von verstecken zu sprechen, finde ich in Anbetracht omnipräsenter deutscher Autobauer in den letzten Jahren der Show für eine Verniedlichung. Die Skandale im öffentl.-rechtl. TV reihen sich aneinander und der Aufschrei der Presse kommt in schöner Regelmäßigkeit. Ähnlich der Beschwerde über zu hohe Benzinpreisen vor den Sommerferien.
Doch wen interessiert das Ganze eigentlich? Den Zuschauer sicher nicht, denn juristische Spitzfindigkeiten wie Schleichwerbung, Product Placement oder Beistellung sind lokale Probleme. Das Programm soll doch im wahren Leben spielen, und da fahren Leute Auto, essen Yoghurt oder telefonieren. Dass hier Menschen beschäftigt werden, die sich Fantasieprodukte ausdenken, nur damit die Clearingstelle o.ä. Einrichtungen nicht den Verdacht der Schleichwerbung anheimfallen ist doch absurd! Der Zuschauer braucht keinen Schutz vor der Industrie und schon gar nicht die öffentliche Heuchelei, daß man sich um ihn sorge.

Es geht hier letztlich nur um Eines; nämlich Geld. Um sehr viel Geld. Auch wenn in Zeiten der Finanzkrise hohe Beträge zur Normalität wurden, so reden wir von den ca 7 GEZ Milliarden, die bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verpulvert werden. Mit diesem Geld sollte man eigentlich auskommen, vergleicht man die Bilanzen von börsennotierten Sendeanstalten im Vergleich. Doch haushalten steht nicht in den Statuten der öffentl.-rechtl Sender. Beispiele gefällig?
Die Verwaltung der Studios für die Sendung plusminus in der ARD erinnert eher an Plan- statt Marktwirtschaft. So gibt es diverse Länderstudios mit Technik, Ausstattung und natürlich Personal -inkl. Moderator(en). In der freien Wirtschaft gäbe es genau ein Studio für die paar Sendungen im Jahr. Doch da die Länder auf Ihre Individualität pochen, halten die sich das in mehrfacher Ausführung. Oder was hat es eigentlich mit Bildung zu tun, teure Stars wie Gottschalk, Schmidt und Co einzukaufen? Hinsichtlich des Bildungsauftrag bin ich bei vielen Sendungen noch nicht fündig geworden.
Jedoch möchte ich nicht mit der sogenannten Qualitätsdebatte beginnen, denn über Geschmack läßt sich bekanntlich trefflich streiten. Doch dem Argument der Qualitätsgarantie durch GEZ finanziertes Vollprogramm möchte ich klar widersprechen. So kommen zwar viele schlechte Trends wie z.B. das Realitätsfernsehen aus den USA, gleichzeitig werden dort aber Serien und Filme für das TV mit anspruchsvoller Handlung in hochwertiger Drehtechnik hergestellt. Sprich: Ohne GEZ ist unser TV Programm nicht nur noch RTL 2; es würde beides geben. Zudem wäre ich gerne bereit für die Infoversorgung € 5 im Monat für einen n-TV artigen Sender der ARD zu zahlen. Unabhängige Nachrichten wie “Monitor”, “plusminus” usw. im 24h Vollprogramm. Da findet sich auch sicher noch ein Platz für Anne Will.

P.S. Wird eigentlich wer hysterisch, wenn Axel Schulz auf seinem Boxerschädel ständig diese Fackelmann Mütze trägt? Das macht der doch freiwillig, weil ihm die so gut gefällt. Der Dieter wird doch auch noch Polos tragen dürfen, die er mag (siehe dritter Link).

Links aus der Presse zum aktuellen Skandälchen um ein Parfum
Handelsblatt
bild.de
bild.de

Die Geschichte von Product Placement in Bildern

Donnerstag, 20. Januar 2011

Auch wenn einige uns glauben machen wollen, PP wäre eine totale Innovation, so zeigt der Clip eine Zusammenfassung berühmter und sicherlich auch vergessener Integrationen.
Am Ende wird der Rekordhalter und PP König gekürt. Obwohl es für Firmen nicht unbedingt attraktiv ist, sich im Film mit zahlreichen anderen Marken herumzuschlagen, so scheint es den Marketingverantwortlichen in diesem konkreten Fall sch**ßegal zu sein.

Das werte ich erneut als einen Beleg für die Wirkung dieses brandneuen, innovativen Marketingwerkzeugs.

“Product Placement wirkt, aber stört nicht” ist eine neue Erkenntnis

Freitag, 14. Januar 2011

Die Meldung hat bei mir so eingeschlagen, daß ich tagelang sprachlos war.
Die W&V titelte sogar Zuschauer schlucken die Product Placement-Pille. Das führt mich zu dem Schluß, dass der deutsche TV Zuschauer offensichtlich für genauso doof und vor allem hinterwäldnerisch gehalten wird, wie manches Programm vermuten läßt. Zum Einen kennt selbst Oma Trude Product Placement, auch wenn ihr das nicht unbedingt unter diesem verqueren Namen ein Begriff ist. Der Großteil der Bevölkerung sieht Fernsehen. Möchte er jedoch all diesen Realitätssendungen entkommen, landet der deutsche Zuschauer im fiktionalen Programm von US Serien und US Spielfilmen. Das übrigens mit Begeisterung. Über die Jahrzehnte dürfte also selbst beim verbohrten Deutschen ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten sein.

Doch gleichzeitig bin ich begeistert, dass nun selber von Vermarkterseite das Thema offen angegangen wird. Während eine andere große dt. Fernsehanstalt mit kruden Bezahlungsmodellen versucht, der werbetreibenden Industrie das “placen” madig zu machen, geht p7s1 frisch frech fröhlich (fast) frei f(v)oran. Die Nähe zum Vermarkter halte ich nach wie vor für kritisch, doch bewegen sich die Sender.
Das Ergebnis der Studie läßt mich allerdings ein wenig ratlos zurück. Bei einer Studie während meiner Zeit bei einer großen Mediaagentur, lag der Erinnerungswert nach Ablauf des Programms deutlich höher. Einige Produkte erzielten Werte jenseits der 50%! Das mag aber vielleicht daran liegen, dass unsere Erhebung mit “Ein Chef zum Verlieben” eine fiktionale Geschichte abfragte, während p7s1 eine Show wählte. Die hohe Kunst von PP ist die Integration in fiktionale Handlungsstränge. Das Platzieren in Shows ähnelt immer dem Sponsoring.

Interessant ist dazu auch eine andere Studie, ebenso aktuell :
TV Zuschauer immer unaufmerksamer lautet eine zweite Titelzeile der W&V. Die TV Nutzung steigt und steigt, und eventuell liegt das auch an der veränderten Nutzung. Das Programm läuft einfach nur nebenher, was mich bei einigen Sendungen überhaupt nicht verwundert. Spannende oder mitreißende Unterhaltung sieht in der Regel anders aus. Vermutlich bügelt es sich entspannt bei einer Kochsendung, während das bei Bourne Identity nicht so richtig klappen will. Die Wirkung von Placement muß einfach viel krasser sein als 23%, sonst würden Weltfirmen nicht seit Jahren Geld für Placement-Agenturen und eigene Abteilungen investieren. International liegt der Fokus aber weniger auf Kochsendungen, sondern auf der Königsklasse Fiktion. Schade nur, dass p7s1 und auch RTL davon so wenig eigenes im Programm haben.

Der rote Punkt – jetzt auch online

Mittwoch, 05. Januar 2011

Die coole Lederjacke vom Hauptdarsteller ist von …? Oder das schöne Armband der leidenschaftlichen Geliebten gibt es bei … zu kaufen? Wer kennt das nicht?
Diese Probleme gehören der Vergangenheit an. Die Firma Cavi TV hat eine Technologie entwickelt, mit der man web Filme – auch nachträglich – entsprechend bearbeiten kann, damit Kunden Produkte mit nur 3 Klicks direkt aus dem Video kaufen können.
Somit zahlt sich integriertes Product Placement gleich doppelt aus: Aufmerksamkeit und auch direkter Abverkauf. Darüber hinaus bietet die Technik zielgruppengerechte Produktauswahl und arbeitet mit zahlreichen Plattformen zusammen, u.a. sevenload.

Mit Hinblick auf die Freiheit im Bereich Product Placement und der Verknüpfungsvielfalt im sozialen Netz, ist dies ein weiterer Grund über Product Placement im Netz ernsthaft nachzudenken.